Montag, 27. August 2007

wenig avantgardistisch ist meine preisfrage…

was geht in – nennen wir ihn der einfachheit halber: herrn sonzag – in diesem mann, herrn sonzag, vor?
nach der kurzen flucht ins ostfriesische sitzen wir letztmalig am hotelfrühstückstisch. nein, im hotel sind wir nicht abgestiegen, aber die ferienwohnung hat allen komfort: der hund darf rein, rauchen darf man und es gibt ein frühstück im benachbarten hotel.
dort haben alle zweier-, dreier, vierer- und fünferkombinationen der gästepaarungen einen eigenen tisch, um dort eier, melonen und käse-ecken auszubreiten. heute nicht. da haben wir pech – oder auch glück: die kleinen tische sind besetzt, wir teilen mit dem ehepaar sonzag einen großen tisch. dieser ist so lang, dass man die beiden paare einander gegenüber, an den längsseiten des tisches postiert.
so sind wir in der einzigartigen position, die essgewohnheiten der mittischnachbarn zu beobachten. frau sonzag ist feinfühlig und daher bereits mit meinem ersten irritierten blick ebenfalls irritiert und zudem peinlich berührt. ich – bzw. wir – haben ihren mann im auge.
es ist völlig in ordnung, dass er mit ca. 70 seine haare braun färbt und seinen kugelbauch im baumwollshirt zur geltung bringt.. weniger in ordnung ist es, dass er seine haare nicht pünktlich nachfärbt. aber egal.
herr sonzag hat ein geöffnetes körnerbrötchen vor sich auf dem teller liegen und probiert, ob man es mit dem messer in kleine stücke schneiden kann.
man kann nicht.
er probiert erneut, mit seinem frühstücksmesser eine ecke von der trockenen brötchenhälfte abzuschneiden. frau sonzag, frau rosmarin und herr rosmarin schauen ihm irritiert dabei zu. es gelingt ihm nicht. also säbelt er mit mehr kraft, aber das hilft auch nicht. frau sonzag schaut hilfesuchend aus dem fenster, was ihr nichts hilft, denn herr sonzag reicht nach fünf minuten erfolgloser säbelei sein messer zu frau sonzag rüber. der tisch ist zu lang und ausser frau sonzag versteht keiner seinen vortrag.
er versucht es erneut.
nachdem sich das brötchen entweder als unschneidbar (jetzt mal im ernst, wer isst sein brötchen messerschneidend?) erweist, oder aber das messer als untauglich, belegt er das brötchen mit kochschinken. schlimm genug.
nun versucht er das belegte brötchen mit dem messer zu schneiden, was erneut misslingt. er geht also dazu über, selbiges mit dem messer zu zerrupfen, denn frau sonzag ist nicht mehr bereit, seinen vorträgen über was auch immer zu lauschen und hat sich endgültig dem fenster zugewandt.
was ich selbst mit den fingern in mein mäulchen geschaufelt habe, weiß ich nicht mehr, denn ich war vielzusehr mit der frage beschäftigt, was in dem manne wohl vor sich geht.

und überhaupt....

wenn die klügeren immer nachgeben, regieren die dummen die welt.

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