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Donnerstag, 5. November 2009

Nardo....

ist ein ganz phantastischer Mann. Zugegeben, nicht so, wie die Damenwelt ihn gerne hätte. Genau darum ist er so ganz phantastisch.
Erst nachdem ich erfuhr, dass Nardo ebenso in Italien aufwuchs und dann doch hier landete, und erst, nachdem ich seinen roten Plüschstier auf die Heizung gesetzt habe, den er mir schenkte, ohne dass er mich kannte …. also erst nach vielem…. lernte ich Nardo kurz kennen.
Er ist der Hohepriester seiner Freiheit.
Ein Mann, der es in sechzig Jahren geschafft hat, jegliche Fortpflanzung und Hochzeit zu vermeiden. Das an sich ist kein Erfolg, schon klar.
Er hat sich entschieden zwischen Keller und Himmel zu leben.
Sitzt er im Keller, so ist er für die Welt absolut unerreichbar. Kein Telefon, kein Türklopfen, kein Fax, kein Anrufbeantworter. Er schaltet sich einfach ab.
Wandelt er durch den Himmel, ist er ein Strahlegesicht, die Erfindung von Charme und Witz und Neugier. Und nein… nicht so wie mancher, der so tut als ob….. er ist es …. (dann)…
Und dann sind die Damen hinter ihm her und begeistert. Und lässt er ihre Begeisterung zu, entdecken sie den Keller. Und spätestens jetzt wollen sie ihn retten. Das ist blöd, denn Nardo erträgt jede Nähe, solang sie nicht zu nah ist und so lang sie nicht mit Forderungen und Wünschen verbunden ist.
Nardo verabschiedet sich jedes Mal für immer. Und taucht dann ganz unvermutet plötzlich mit Geschenken und blitzenden Augen auf. Seine Berufung ist es, der Damenwelt das Glitzern in die Augen zu treiben. Und er genießt den Moment….. bis er bemerkt, dass sie ab nun, hinter ihm her sind. Dann ergreift er die Flucht und wird grantig.
Da er einen einschlägigen Krebs hinter sich gebracht hat und ein weiteres Schalentier überstand, freut er sich über die Freiheit der Impotenz. Aber die macht alles nur noch schlimmer….. die Damenwelt ist hinter ihm her, wie hinter einem ernsthaft zölibatären Priester.
Eine jede, der er nett und freundlich und charmant gegenüber tritt glaubt, ihn bekehren, heilen, umdrehen zu können. Besonders die, die einen normalen Kerl, der furzt und Feinrippunterhemden verschwitzt, der peinliche Witze macht und den Eisprung für so eine Art missglücktes Spiegelei hält, …. also die lieben ihn besonders.
Und das macht ihn wütend. Diese EnddreissigerInnen, die plötzlich skandieren, sie wollten ein Kind von ihm. Die in ihrer überheblichen Eitelkeit sich engelsteufelsgleich über ihn herab senken, zur Heilung der Impotenz und zur Abschaffung seiner selbst gewählten Einzelhaltung. Da versteht er die Welt nicht mehr, denn er sagt ja immer gleich, was er will und was nicht.
Und sie hören nicht hin, sie hören nicht zu, sie glauben nicht, was er sagt.
Drum ist er ein ganz phantastischer Mann, der das Weibliche zu recht so fürchtet und sogleich die UnbelehrbarInnen belehrt darüber, dass es Menschen gibt, die sagen was sie tun und die tun was sie sagen.

Johlend vor Freude...

renne ich mit dem Geburtstagsfräulein durch die Niddawiesen. Ich johle für den weltbesten Exgatten, der so ein herzensguter, brottrockener Mensch ist und der endlich zwei Herzenswünsche auf einmal erfüllt bekommt. Nicht vom Glück, nicht vom Zufall. Das halte ich für völlig überschätzte Denkgebäude. Er wird einfach durch Hartnäckigkeit und Fleiß gleichzeitig einen Lehrstuhl und ein Hochstühlchen bekommen. Er muss schweben vor Glück, nach sovielen Jahren der Arbeit, des Engagements des immer-wieder-alles-Probierens und weil er so ein nüchterner Kerl ist, johle ich vor Freude, für ihn.
Endlich kann man ihn bei vollem Namen nennen …. den Professor Dr. Dr. Papa….. ich finde es einfach megageil und blicke in den Spiegel: da war doch noch was, da draußen…. Ich blicke in die Luft: da irgendwo im Nebel war doch noch was, was du wolltest….
Jetzt ruhe ich mich seit einigen Jahren auf Erfolg und Glück aus und merke, wie ich unruhig werde. Das Ausruhen auf dem Erreichten ist schön…. Ich bin jetzt ausgeruht und denke demgemäß zuviel übers Alter nach. Ich muss neue Pläne schmieden.
Und schwups… kaum gedacht… passiert’s. Ich bin zum Essen eingeladen, beobachte verzückt zwei schneeweiße Windhunde, die mit Tigerkatze schmusen und während ich so vor mich hin genieße, sprudeln wir plötzlich tausend Ideen und Konzepte und Produkte aus unseren Köpfen und überhaupt wie könnte es gehen, mit weniger Arbeit viel mehr zu verdienen und wann endlich fahre ich eine Woche nach Südfrankreich, damit der Hund mal in Ruhe tun kann was er am besten kann.... wildern...und ein Haus, das sollte ich mir auch noch kaufen. Keine Ahnung wovon, aber das wäre ein Plan und überhaupt.... nur so…. zur Sicherheit….

und überhaupt....

Hunde, sind unsere Verbindung zum Paradies. Mit einem Hund an einem herrlichen Nachmittag an einem Hang zu sitzen kommt dem Garten Eden gleich, wo Nichtstun nicht Langweile war - sondern Frieden. (Milan Kundera) Yahoo! Avatare

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