Freitag, 21. November 2014

La bella Montez.....

soll die Tänzerin aus Sevilla geheißen haben, die Hein, den Leuchtturmwärter, einst so glücklich gemacht hat.
Genau genommen ist es nur eine Erzählung der Einwohner aus Pudelgarten, die sich aber auch nicht erklären können, woher die dunkelhaarige Schönheit kam und wohin sie eigentlich entschwand.
Fakt ist, oder …. scheint zu sein…., dass Hein eines Tages die Nase voll hatte von seinem Leuchtturm. Tagein tagaus das Stellwerk für die Lampen bedienen, den Schiffsverkehr und das Wetter abhören,
hormontriefende Paare trauen…. Es war ihm einfach zuwider geworden.
Weil Hein noch niemals in seinem Leben von der Insel runter gekommen war, beschloss er dies zu ändern und plünderte sein übermäßig gefülltes Sparbuch. Was hatte er schon gebraucht von seinem kleinen Verdienst, in den letzten zwanzig Jahren? Eben: Nichts. Drum hob er seinen Neffen in den Leuchttrum, wies ihn ein, zeigte ihm den Rumvorrat hinter der Eberesche und kaufte sich ein erster Klasse Ticket nach Paris.
Dumm war nur, dass Hein leider kein französisch sprach und so saß er etwas trüb und mit einem klitzekleinen bisschen Heimweh in einer kleinen Bar am Tivoli. Mangels Sprachkenntnissen hatte er sich keinen Rum bestellen können und also hatte ein mitleidiger Kellner ihm in Glas Rotwein vor die runzelige Nase gestellt.
Als Hein bereits darüber nachdachte, wieder nach Pudelgarten zu fahren und seinen Leuchtturm zu besteigen, da schwang die Tür der kleinen Bar auf, und eine Erscheinung betrat den Raum.
So jedenfalls muss Hein es seinem Nachbarn erzählt haben, damals vor vielen Jahren. „Wie ein spanisches Schneewittchen“ hatte Hein geraunzt, wenn er seinem Nachbarn noch viele Jahre später allabendlich –zumindest im November- von der bella Montez erzählte.
Sprachlos vom Anblick ihrer schwarzen Augen, ihrem roten Mund und der langen, schwarzgelockten Mähne, muss er mit den Fingern nach dem Kellner geschnippt haben. Mit einer ungewohnt großen Geste legte er ihr sein Herz aus Luft zu ihren schmalen Füßen und der Kellner hatte sogleich verstanden, dass Hein alles und zwar wirklich alles zahlen würde.
Was keiner von Heins Nachbarn je verstanden hat ist, wie aus den beiden ein Paar wurde. Sie hatte ein unbändiges Temperament, das man ihrer andalusischen Herkunft zuschrieb. Etwas seltsam war schon, dass sie gelegentlich ein deutsches Wörtchen mit badischem Akzent einflocht und auch das ein oder andere zu verstehen schien. Aber keiner zweifelte je an ihrer Herkunft. Diese Augen – und auch diese Stimme (wie Hein später etwas bedauernd mitteilte) hat es so in Pudelgarten niemals gegeben.
Hein hingegen war ein ruhiges Schaf, la bella Montez nannte ihn gar Borrego – mein Lämmchen – und so gesehen hat das natürlich schief gehen müssen.
Zwei Sommer lang wohnten in Heins Leuchtturm nicht nur die Montez und er. Oh nein. Mit der schönen Montez kam ein kleines Flamencotrüppchen – was allerdings schnell Heins Rum verfiel und nur noch müde krächzte im Winter. Und mit der schönen Montez kamen drei finstere Gesellen, die einige Pudelgartener für Altnazis und andere für Mafiosi hielten. Sie machten die Nacht zum Tage, fuhren LKWs hinein und wieder hinaus und eines Tages verschwand die schöne Montez mit dem letzten LKW.
Hein nahm es äußerlich gelassen, auch wenn er darauf hin alle seine Gänse schlachtete und ihre Federn aus dem obersten Fenster des Leuchtturms warf. Dies war schrecklich für die Gänse aber gut für Hein, denn er hätte sich ja auch selbst aus dem Fenster werfen können.
Wohin die bella Montez entschwand ist leider nicht überliefert. Und auch was aus Hein wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Nur heute noch raunen die Pudelgartener, dass das Bernsteinzimmer in den Tiefen des Leuchtturms versteckt sei.


 photo montez2.jpg

und überhaupt....

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