eigentlich schreiben sie immer ein drama….

wenn carla und gitta die zwei leben und die tausend kilometer für einen besuch überwinden.
meistens reist gitta von florenz nach mainhatten. sie freut sich auf schwarzbrot und auf ihre familie. letztere freut sich auch auf gitta und den parmegiano, den sie mitbringt. das ritual beginnt mit dem sekt zur begrüßung und einer unglaublichen hektik. betten werden verräumt, koffer ausgepackt und deutsche küche bruzzelt geruchstark.
irgendwann innerhalb der ersten 36 stunden fließen tränen, weil irgendwer was falsches gesagt oder was anderes gemeint oder etwas zu viel oder zu wenig getan hat. der tanz der eitel- und empfindlichkeiten, der wettbewerb um schönheit, fleiss und gutsein beginnt und dauert bis zur abreise. gereiztheiten werden spätestens 10 stunden vor abflug eingestellt und man beteuert sich großer liebe und verbundenheit. zeitgleich prüfen gitta und carla klammheimlich, ob die eine der anderen nicht wieder etwas entwendet hat.
carlas mann eduard geht einmal im jahr segeln mit seinen kumpels. dies beäugt sie mit großem gönnen und etwas eigenem fernweh. wenn da nur ihre flugangst nicht wäre, … ja dann.
einige wochen vor eduards segelvergnügen fängt sie an zu träumen. doch diesmal hat sie den traum ohne ihre tochter gemacht. während der vierten und der fünften „ach-wär-das-schön“-runde ist carla auf den flug nach florenz gebucht. „das internet macht träume wahr“ prustet carlas tochter los und carla wird bleich. eduard lächelt vergnügt in sich hinein.

so stapft sie also todesmutig mit einer beruhigungspille im blut und einer in reserve zum flughafen. mutterseelenallein, denn eduard ist bereits auf dem meer und die tochter beim kunden. mit todesverachtung besteigt carla den flieger und fliegt ganz ohne panikattacke gen florenz.
endlich! nur sie und gitta. zehn herrliche tage lang schön flanieren, shoppen, essen und italienischen wein. keine männer, keine pflichten, kein deutsches wort.
sie hat das ritual vergessen und natürlich entspinnt sich dieses dort genau wie hier.
sie darf sich in der küche von gitta nicht rühren, damit kein schmutz auf den boden fällt. und gittas mann, der vor zehn jahren nach seiner abgeschlossenen pflichterfüllung die flucht ergriff, war durch roberto ersetzt worden. er war die jugendliebe von gitta und passte daher gut. carla hatte ihn nie gemocht wegen seines krankhaften geizes. und es kam, wie es kommen musste. roberto zog auf gittas couch, denn er fürchtete sich alleine in seiner ständig von raubüberfällen bedrohten villa.
carla knurrt.

sie fahren ins dorf, in dem sie als kinder wohnten und sind zum essen bei gittas tochter eingeladen. carla ist durcheinander. die alten freunde sind weg gezogen oder alt geworden, das paese ist ausgestorben, die läden und bars von früher sind geschlossen. dafür gibt es nun einen großen supermarkt irgendwo ausserhalb des dorfes. die grande signora des dorfes empfängt gitta aber nicht carla. die soll bei ihrem nächsten besuch mal mitkommen.
carla knurrt.

beim mittagessen riecht es italienisch. carla ist glücklich und erhebt ihr glas für die gastgeber. sie fängt eine kleine flammende dankesrede an, als ihr roberto harsch über den mund fährt „ma non bevi il vino primo pranzo“. die gastgeber schlucken, denn sie laden roberto nur notgedrungen mit ein, carla tötet ihn mit ihrem blick und trinkt störrisch aus dem glas. irgendwer, vermutlich gitta, versucht mit einem lachen alles zu überspielen.
carla knurrt noch mehr.

die eisige rückfahrt kann auch der einkaufsbummel auf dem ponte nicht wett machen. roberto hat sich in seine villa verkrochen und gibt ein suonino. das ist das telefonläuten, das nichts kostet aber gitta seiner zuneigung versichert. muss er auch, denn gitta schneidet ihm die haare und spart ihm so den friseur. für sie ist es auch in ordnung, dass er ihr auch die haare schneidet und ihr ebenso den friseur erspart. zumal der nochgatte wenig unterhalt zahlt und daher die scheidung bereits seit zwölf jahren läuft.
carla knurrt.

ein wort gibt das nächste, als gitta abends um acht schlafen will. carla ist mit den nerven durch und holt sich ein glas vino. eine debatte beginnt und das ritual entspinnt sich drei tage zu spät. und carla hat mehr rente und also ruft sie die tochter an „buch mir einen flug“ sagt sie eiskalt durch den telefonhörer. die tochter versucht vergeblich zu beruhigen, sucht nach flügen, die allesamt sehr teuer sind und versucht schlaf in carla zu bekommen. sie ringt ihr das versprechen ab, bis zu ihrem anruf am nächsten morgen zu warten und darüber zu schlafen.
aber carla ist nun auf dem kriegspfad.

nach dem frühstück ruft carlas tochter in florenz an. gitta ist mit den nerven am ende und textet durch den hörer wie aggressiv carla sei und sie redet und redet und redet. „habt ihr euch denn gar nicht beruhigt?“ fragt carlas tochter entnervt. „aber die ist doch seit heute früh weg und wollte zum bahnhof“.

nachts steigt carla lachend aus dem zug. zumindest lacht sie seit sie sieht, dass sie abgeholt wird. sie strahlt, als frische blumen sie zu hause erwarten. zum glück funktioniert der buschfunk und carla hat ein bisschen darauf gehofft.
nun wartet sie auf eduard. sie will ihm erzählen, dass sie nun im frühjahr mit ihm nach sardinien fliegen wird. darauf wartet er seit zwanzig jahren, denn carla fliegt ja nicht.
sandhexe - 15. Okt, 00:39

ja es geht :-) deinen beitrag lese ich jezt in aller Ruhe.
Ach der tapfere ritter fragt, wann wir denn nun endlich mit euch die Feier nachholen wollen...

Bermejo - 15. Okt, 11:31

die knurrende carla ist mir sehr sympatisch ;-)

rosmarin - 15. Okt, 20:10

mir auch.... *grins*
wasserfrau - 15. Okt, 22:41

ein härrlisches italienisches drama...

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