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paarweise

Donnerstag, 5. November 2009

Nardo....

ist ein ganz phantastischer Mann. Zugegeben, nicht so, wie die Damenwelt ihn gerne hätte. Genau darum ist er so ganz phantastisch.
Erst nachdem ich erfuhr, dass Nardo ebenso in Italien aufwuchs und dann doch hier landete, und erst, nachdem ich seinen roten Plüschstier auf die Heizung gesetzt habe, den er mir schenkte, ohne dass er mich kannte …. also erst nach vielem…. lernte ich Nardo kurz kennen.
Er ist der Hohepriester seiner Freiheit.
Ein Mann, der es in sechzig Jahren geschafft hat, jegliche Fortpflanzung und Hochzeit zu vermeiden. Das an sich ist kein Erfolg, schon klar.
Er hat sich entschieden zwischen Keller und Himmel zu leben.
Sitzt er im Keller, so ist er für die Welt absolut unerreichbar. Kein Telefon, kein Türklopfen, kein Fax, kein Anrufbeantworter. Er schaltet sich einfach ab.
Wandelt er durch den Himmel, ist er ein Strahlegesicht, die Erfindung von Charme und Witz und Neugier. Und nein… nicht so wie mancher, der so tut als ob….. er ist es …. (dann)…
Und dann sind die Damen hinter ihm her und begeistert. Und lässt er ihre Begeisterung zu, entdecken sie den Keller. Und spätestens jetzt wollen sie ihn retten. Das ist blöd, denn Nardo erträgt jede Nähe, solang sie nicht zu nah ist und so lang sie nicht mit Forderungen und Wünschen verbunden ist.
Nardo verabschiedet sich jedes Mal für immer. Und taucht dann ganz unvermutet plötzlich mit Geschenken und blitzenden Augen auf. Seine Berufung ist es, der Damenwelt das Glitzern in die Augen zu treiben. Und er genießt den Moment….. bis er bemerkt, dass sie ab nun, hinter ihm her sind. Dann ergreift er die Flucht und wird grantig.
Da er einen einschlägigen Krebs hinter sich gebracht hat und ein weiteres Schalentier überstand, freut er sich über die Freiheit der Impotenz. Aber die macht alles nur noch schlimmer….. die Damenwelt ist hinter ihm her, wie hinter einem ernsthaft zölibatären Priester.
Eine jede, der er nett und freundlich und charmant gegenüber tritt glaubt, ihn bekehren, heilen, umdrehen zu können. Besonders die, die einen normalen Kerl, der furzt und Feinrippunterhemden verschwitzt, der peinliche Witze macht und den Eisprung für so eine Art missglücktes Spiegelei hält, …. also die lieben ihn besonders.
Und das macht ihn wütend. Diese EnddreissigerInnen, die plötzlich skandieren, sie wollten ein Kind von ihm. Die in ihrer überheblichen Eitelkeit sich engelsteufelsgleich über ihn herab senken, zur Heilung der Impotenz und zur Abschaffung seiner selbst gewählten Einzelhaltung. Da versteht er die Welt nicht mehr, denn er sagt ja immer gleich, was er will und was nicht.
Und sie hören nicht hin, sie hören nicht zu, sie glauben nicht, was er sagt.
Drum ist er ein ganz phantastischer Mann, der das Weibliche zu recht so fürchtet und sogleich die UnbelehrbarInnen belehrt darüber, dass es Menschen gibt, die sagen was sie tun und die tun was sie sagen.

Donnerstag, 17. September 2009

Andy...

verbringt sein Leben in einem undurchschaubar überdimensionierten Freudenhaus. Einmal hat er ein Zimmer betreten, dessen Tür ihm eine faszinierende Schönheit öffnete. Sie hatte Augen, die tiefer waren als der schönste Bergsee, den er je sah. In ihrem Zimmer blieb er lang. Erkundete jeden Winkel, jedes Regal und übte in ihrem Bett, was es alles zu üben gab und fütterte liebevoll ihren Vogel. Eines morgens, viele Monate, nachdem er ihr Zimmer betreten hatte, öffnete er die Tür und fand ein wildes Pferd davor. Andy sah sich nach ihr um, sah zum Pferd und spürte dessen warmen Atem, griff ihm in die Mähne und plötzlich klappte die Tür hinter ihm zu. Das Pferd geriet in Panik und galoppierte durch den endlosen Flur des Freudenhauses.
Erst jetzt erkannte Andy, wie lang und verschlungen der Flur war und er ging ein paar Schritte. Unbedingt wollte er das wilde Pferd wieder finden und er nahm einen tiefen Atemzug, als sich plötzlich links vor ihm eine Tür öffnete. Eine Sirene lugte heraus und sang mit leiser Stimme Verlockendes. Gerade wollte er eintreten, als sich rechts weiter vorn eine weitere Tür öffnete. Er sah nur ein Frauenbein, ein wunderschönes Frauenbein und roch einen betörenden Duft, der ihn schwindeln machte. Erst ging er nach rechts, zur Tür mit dem Frauenbein, dann zögerte er und wand sich nach links, wo die Sirene sang. Er blickte nach rechts und hatte die Hand schon am Knauf, er blickte nach links und ging einen Schritt.
Einen Stock höher, hörte er das Pferd wiehern und Andy rannte los. Atemlos nahm er die Stufen des Flurs und landete in einem weiteren Stockwerk, das noch länger schien und noch mehr Türen hatte. Viele standen offen, einige waren geschlossen. Vor jeder geöffneten Tür sah er Phantastisches und wollte eintreten… aber kaum hatte er einen Fuß in das Zimmer gesetzt, dachte er an die nächste Tür, deren anheimelnden Ausschnitt er bereits aus den Augenwinkeln wahrgenommen hatte und so zögerte er. Eine weitere Tür öffnete und er sah gar nichts. Das weckte seine Neugier und er trat näher. Andy sah immer noch nichts und wollte Wissen. Also trat er ein, die Tür klappte hinter ihm zu und er sah…: Nichts. Das ganze Zimmer war voller Nebel und in Panik tastete er sich an den Wänden entlang, bis er endlich die Tür wieder fand und nach Atem ringend in den Flur des Freudenhauses zurücktrat. Er beschloss, daraus zu lernen und nie mehr ein Zimmer zu betreten.
Er hielt nicht lange durch. Als Andy im vierten Stock landete, fand er einen geschwungenen Flur, der nicht gut einsehbar war, aber an dessen Türen verheißungsvolle Texte standen. Eine Tür verhieß die wahre Liebe und er konnte nicht anders, als daran zu klopfen. Die Tür öffnete sich und Andy fand sich vor einem großen Spiegel wieder, der ihn höhnisch verlachte. Eine Etage höher wieherte das Pferd und Andy rannte weiter. Die Treppe führte ihn allerdings in die Kurve und mal nach unten und mal nach oben. Er verlor die Orientierung was ihn jedoch nicht störte denn irgendwo hatte er gehört, dass der Weg das Ziel sei.
Und doch wollte er ankommen. Endlich irgendwo heimisch sein und so betrat er endlich das nächste Stockwerk mit dem nächsten Flur, der viele Verzweigungen hatte. Er rannte hundert Meter nach rechts, und wieder zurück. Vielleicht wäre es in der westlichen Abzweigung viel interessanter und so rannte er dorthin. Türen öffneten sich erneut. Hinter jeder Tür eine Frau, jede so schön. Er ging zur ersten. Sie war bezaubernd und charmant. Und gleich in der Nachbartür stand eine, die war die schönste, die er je gesehen hatte. Und gleich in der nächsten Nachbartür stand eine, die war so weise wie eine Eule und so schön wie die Sünde. Und in der nächsten Tür stand eine, die war zwar hässlich aber ihr Lachen klang wie ein tiefer Orgasmus, der das Universum beschallt. Und gleich gegenüber stand eine Hyäne, die ihm Jagd und Heilung versprach. Zwei Etagen unter ihm wieherte das Pferd und Andy rannte weiter.
Als ihm die Puste ausging öffnete sich erneut eine Tür, in der eine Traurigkeit stand, die seiner Hilfe bedurfte. Er ließ sich an der Türschwelle nieder und spendete ihr Trost. Sie bat ihn herein und er ging zu ihrem Bett, nicht ohne seinen Rucksack in ihrer Tür stehen zu lassen. Er hatte gelernt, dass es gut war, sich einen Rückzug offen zu halten und so tat er es auch, als die Traurigkeit ihn verliebt anlächelte. Er floh vor ihrer liebevollen Umklammerung und stolperte versehentlich in das geöffnete Zimmer der Bäuerin, die nach Milch und Brot roch und auch hier schaffte er es, schnell seinen Rucksack in der geöffneten Tür zu deponieren. Es war ihm längst klar, dass die Milch demnächst sauer werden würde und er Lust auf einen Cocktail in den Armen einer Großstadtschlampe bekäme. Er konnte sich das Betreten eines Zimmers ohne geöffnete Tür einfach nicht mehr leisten. Das hatte er begriffen. Denn es gab noch so unendlich viele Türen zu entdecken.

Sonntag, 13. September 2009

Ein bis zwei Sekunden…

... können ein ganzes Gleichgewicht, über Jahre mühsam installiert, zum Kippen bringen.
Bella und Michael hatten ein ungewöhnliches Gleichgewicht.
Bella ist stark und laut und durchsetzungsstark. Sie liebt an Michael seine Vorsicht, seine Sanftmut und seine ruhige Art.
Gegen seine Selbstzweifel hat sie lange und erfolgreich angekämpft. Als sie ihn fand, war sie zerschunden vom Ehemann, durch den Dreck gezogen und ausgelaugt. Michael war ein Mann, den sie gut ertragen konnte. Er heilte ihre Wunden, war zart mit ihr und liebevoll.
Sie hat es ihm dadurch gedankt, dass sie schnell wieder zu ihrer alten Stärke zurück fand, die Stadt, den Job und ihr Leben wechselte. Dann fing sie an, ihn aufzubauen, seine Selbstzweifel in Angriff zu nehmen und tüchtig zu arbeiten, als er sich entschloss das Abitur nach zu machen.
Als er das Abitur nachholte war er in den Zwanzigern und glücklich.
Er strahlte dafür ihre Hunde, Katzen und Pferde an, weil es sie glücklich machte und begann Physik zu studieren. Sein alter Kindheitstraum, den ihm der Vater aus dem Leib geprügelt hatte wurde wahr: Er würde Physiker werden. Also studierte er, und Bella war tüchtig, versorgte ihn, die Hunde, die Katzen und die Pferde.
Er hat sich seine zarte Sanftmut bewahrt und genoss ihre Stärke, auch wenn diese gelegentlich wie Bevormundung klang. Sie brauchten einander und taten sich gut.
Vielleicht hätte Bella sich wundern sollen, als ihr Job flöten ging und als die Kaffeemaschine ihren Geist aufgab.
Kurz bevor er sein Studium abschloss, saßen sie beim Abendessen.
Es hat schon lange in ihr rumort und so fragt sie ihn einfach.
„Sag mal, liebst Du mich eigentlich noch?“
Er schweigt zwei lange Sekunden und sagt „ich weiß es nicht, ich glaube nicht.“
Es folgten Tränen und Tränen und Schluchzer und dann brach auch der Rest ihrer mühsam stark erarbeiteten Welt zusammen.
Der Herd ging kaputt, der Arbeitsrichter war uneinsichtig, das Pferd starb und ihr Auto auch.
Michael konnte ihre Tränen nicht gut ertragen und fand im Internet eine neue Liebe.
Er ist jetzt stark. Sein Uniabschluss ist geschafft, seine neue Liebe trägt ihn und nur das Geld wird knapp, worum er nun Bella bittet.
Bella ist nun schwach und krank und das nur, weil sie beim Abendessen eine Frage stellte, deren Beantwortung zwei lange Sekunden dauerte.

Sonntag, 6. September 2009

Paarweise...

diese kategorie ... http://rosmarin.twoday.net/topics/paarweise/ ... wollte ich ja schon lange wieder weiter führen.
ich kriege nur die beiden texte, die ich in der pipeline habe, nicht fertig.
bevor mir das stirnfalten macht, fand ich glücklicherweise dies und wünsche euch da draussen einen sonnigen sonntag



via: http://aelteressemester1.twoday.net/

Freitag, 28. März 2008

aron…

war nicht nur begeisterter wohnmobilfahrer im rentenalter. er war der erfinder der stabilität und das, obwohl er einst ein großer casanova gewesen ist und die damenherzen von basel brach. nicht unbedingt der reihe nach, sondern so viele wie gleichzeitig möglich.
dann lernte er lotte kennen.
lotte hatte ein großes mundwerk, genau genommen für die schweiz eine eigentlich unmögliche freche schnodderschnauze und sie hatte einen windhund aus marokko. das hatte bis dahin in basel, in den späten fünfzigern, noch keiner gesehen. und weil aron der einzige war, der lotte beim anblick ihres hundes nicht vermehrte fütterung empfahl, sondern sie einfach neugierig ausfragte, genau deshalb sprach sie überhaupt mit ihm.
er war ein anstreicher und fleissig. und wenn er nicht die herzen der schweizerinnen brach, dann sang er. genau genommen brach er die herzen singend. und er war im männergesangsverein. über fünfzig jahre war er sänger, vorsitzender, kassenwart und protokollschreiber. als herzensbrecher war er ebenso in einer der zünfte und lief als flöter in der faasnet durchs nächtliche basel. beide vereinsmitgliedschaften nahm er zeit seines lebens ernst. selbst als er keine herzen mehr brach, blieb er seiner zunft treu und seiner lotte ebenso.
daran gibt es auch keinen zweifel, denn lotte hätte ihn in den boden gestampft, wenn er auch nur einem einzigen rock hinterher geschaut hätte. aber er schaute nicht, denn er war viel zu sehr damit beschäftigt, über lottes frechheiten zu lachen. egal was er sagte, lotte pfefferte eine frechheit zurück die sich gewaschen hatte und dann schaute sie ihn verliebt an und er freute sich, dass er keine blöde erwischt hat.
aron wurde nicht müde, sie zu verehren und noch mit fünfundsiebzig hielt er auf seiner geburtstagsfeier, die er mit 200 gästen feierte, seinen jeweils aktuellen trinknachbarn eine flammende rede über seine freude, keine dumme erwischt zu haben, die bewundernd nickend seinen ausführungen zustimmte.
lottes leidenschaft wurde auch seine, und so war er selbstverständlich auch vierzig jahre mitglied im nicht wirklich nah gelegenen windhundverein. sie waren immer unterwegs, sei es mit den sangesbrüdern, sei es auf den rennbahnen der schweiz und deutschlands. mit dabei ihre drei kinder und den kleinen wohnwagen und das rudel der drei marokkaner.
unter der woche arbeitete er als maler. abends baute er häuser für sich selbst, von deren mieteinkünften er später leben würde. spät abends ging er zum singen, danach machte er lotte die drei kinder.
logisch, dass es ihm nach der pensionierung langweilig wurde. drum schaffte er sich einige bienenvölker an und machte im jahr seine tausend gläser honig. besonders berühmt, war er für seinen akazienhonig, der in den heißen und sonnigen sommern entstand. noch vor zwei jahren vergoß er bittere tränen, als beim schleudern des honigs, zwei seiner völker verhungerten, obwohl er sie mit zuckerwasser zu erhalten versucht hatte.
das letzte bild:
aron sitzt im windhundverein und lauscht den dortigen intrigen. mitten in die abstimmung zum neuen präsidenten platzt er mit seinem wissen über bienenvölker. der vorstand lächelt und bittet um abstimmung. aron nickt.
er lacht den neuling an, der neben ihm sitzt und den er bereits seit zwei stunden betextet. seine augen funkeln und er erhebt sein glas.
„ich bin schon mit musik geboren und mein herz hat immer gelacht“
sprach er und sank in sich zusammen.

Donnerstag, 27. März 2008

lotte

ist mit dreiundsiebzig witwe geworden. das war schlimm, denn ihr mann aron war ein lustiger kerl mit dem sie seit seiner pensionierung durch die europäische welt gegondelt ist. zu diesem zweck hat aron ein wohnmobil mit allem komfort erstanden. damals vor zwölf jahren.
sie fuhren nicht weit, denn sie kamen aus der schweiz und dort ist man vorsichtig mit allzu weiten reisen ins allzu ferne ausland – besonders wenn man nicht mehr so ganz jung ist. so fuhren sie zum gardasee, nach nizza, nach wien, nach hamburg, nach paris, nach como, in die puszta und immer wieder nach stuttgart.
in stuttgart wohnte lottes alte freundin helma. die besuchten sie zweimal im jahr. helma wohnt in einem stuttgarter vorort und stuttgart hat viele davon. vermutlich nehmen die eingemeindeten vordörfle mehr fläche ein, als die eigentliche stadt.
aron und lotte standen also zweimal im jahr für jeweils eine woche mit ihrem wohnmobil in der nachkriegssiedlung eines stuttgarter vororts vor der wohnung von helma. drinnen wurde gegessen und geratscht, draussen im wohnmobil wurde genächtigt, geduscht und gefrühstückt. soviel privatsphäre musste sein.
großzügig und besser noch: mit einem lauten lachen hatte lotte arons fahrkünste kommentiert. auf jeder fahrt mit dem wohnmobil schaffte er es aufzusetzen, räder an bordsteinkanten zu demolieren, spiegel in gar nicht so engen gassen abzureißen und schnittige schnitzer in den weißen lack zu fahren. das gab dem wohmobil eine patina von abenteuer und wilder weiter welt.
aron war ein vergnügter mann gewesen, drum starb er schnell, kurz und schmerzlos. lotte ist eine patente frau, drum trauerte sie konsequent und tief für genau ein jahr. dann fuhr sie im zug zu helma.
helma ist eine praktisch denkende frau und fragt also lotte „sag, kann man dir schon jemanden vorstellen?“
lotte überlegt kurz und bejaht – auf helma war immer verlass gewesen. helma kennt über ihre nachbarin den herrn gustav. der hat auch ein schweres schicksal, zumindest ist er vor einem jahr witwer geworden und mit seinen achtzig jahren noch in einem äußerst guten zustand. er ist solide, etwas gebildet und ein anständiger mann war er auch immer gewesen.
also lädt helma herrn gustav zum kaffee trinken ein, backt einen sensationellen käsekuchen und stellt ihm lotte vor. ihm gefällt das lachen von lotte, das ganz tief unten aus ihrem bauch kommt. es ist ihm etwas fremd, denn herr gustav war zeit seines bisherigen lebens ein braver schwabe mit korrektem benehmen und einer gewissen strenge.
gustav und lotte gehen spazieren, sie gehen zum abendessen in ein restaurant und gustav gesteht lotte, dass er vor allem die gute küche seiner verstorbenen frau vermisst.
prompt geht lotte in die falle und verspricht ihm für die dauer ihres aufenthalts die gute küche einer hausfrau. sie verschweigt ihm, dass sie als lehrerin eigentlich selten zeit zum kochen gehabt hat und seit vielen jahren auf tiefkühlpizzen steht.
gustav geniesst lottes kochkünste, die sie sich ohne sein wissen in helmas rezepten angelesen hat. abends um zehn ruft helma an. sie hat ein glas wein zuviel und wünscht lotte eine fröhliche nacht. lotte gluckst und holt am nächsten tag bei helma ihr köfferchen, die restlichen tage verbringt sie bei gustav.
sie fährt zurück nach basel. dann wieder nach stuttgart. sie bekocht wieder gustav und weiß auch nicht so genau, was sie eigentlich für ihre kommenden jahre wünscht.
gustav fühlt sich wild, weil er eine freundin hat. er ringt nach worten…. eine freundin hat man, wenn man jung ist und sich nicht binden will, eine lebensgefährtin haben nur vierzigjährige männer, eine geliebte ist bedeutend jünger und eine frau, hatte er schon. aber er fühlt sich frisch und denkt über eine längere reise nach basel nach.
zu der kommt es nicht, denn er erleidet einen üblen schlaganfall und liegt im krankenhaus. dort fragt man ihn, ob es jemanden gäbe, der sich um ihn kümmern würde. schwach nickt er und stammelt lottes namen heraus.
gustav wird ein pflegefall und sein sohn ruft lotte an, ob sie zu ihm nach stuttgart ziehe, um ihn zu pflegen. lotte verneint. die abende, an denen sie versucht hatte die kochkünste seiner verschiedenen frau zu kompensieren waren nett und heiter gewesen aber nicht herzergreifend. vorsichtig versucht sie dem sohn zu erklären, dass sie mit ihren vierundsiebzig den vater, den sie ja noch nicht so gut kennt, nicht einfach pflegen könne.
seitdem legt der sohn auf, wenn lotte anruft, um sich nach gustavs befinden zu erkundigen.

Dienstag, 16. Oktober 2007

mit männern hatte hanna immer pech….

sie verehrte david bowie und ihre jugendliebe sah ihm verdammt ähnlich. das alleine reichte nicht, um sie glücklich sein zu lassen miteinander und es entspann sich eine siebenjährige geschichte aus innigkeit und trennungen. es war schwer für sie, herauszufinden, wann die letzte trennung auch die wirklich letzte sei.

einige jahre affärte hanna herum in der hoffnung, wieder auf innigkeit zu treffen. aber ausser herzklopfen und verwirrung fand sie nichts. bis ihr eines tages olaf begegnete. groß und schlank und blond und androgyn war er, so wie einst ihre jugendliebe. sie verliebten sich und er stellte sie nach einigen monaten seinen eltern vor. die allerdings waren kalt und abweisend. hanna war einfach zu alt für ihren sohn, der gerade sein betriebswirtschaftsstudium abgeschlossen hatte. immerhin war sie ein jahr älter wie er und stand schon im beruf.

für ihren sohn hatten sie sich eine junge studentin der rechtswissenschaften vorgestellt, am besten aus dem gleichen noblen vorort wie sie selbst und mit einer weniger bodenständigen familie im hintergrund wie es die von hanna zu sein schien.

olaf knickte ein. nicht offensichtlich sondern leise und langsam. er wurde einsilbig und litt unter zeitknappheit, sagte den urlaub ab und schützte arbeit vor. aber hanna hat ein gutes gespür und litt leise vor sich hin, bis sie ihn eines tages zur rede stellte. er bog sich nach link und bog sich nach rechts und schließlich fiel er um und sprach davon, dass es ja möglich sei freunde zu bleiben.

hanna litt und wurde krank. sie schrammte am rande des abgrunds entlang und kletterte eines tages aus ihrer asche wie ein kleiner vogel wieder heraus. sie begann eine fortbildung, sortierte ihren job neu und lachte wieder ihr herzerfrischendes lachen. in der von ihr besuchten weiterbildung fand sie völlig unerwartet mark.
mark war nicht blond sondern dunkelhaarig, er war nicht groß sondern klein, nicht schlank sondern dick und nicht androgyn sondern ein richtiger kerl.

er zauderte nicht lang und zog bei hanna ein, sie kochten abends und tranken roten wein. hanna zauderte auch nicht lange und gab seinem wunsch nach einer heirat nach. sie glühte, sie strahlte, sie sonnte sich in seiner liebe und er sich in ihrer. die sache zwischen ihnen war wie in den romanen, der große bigbang, der urknall, liebe, passung, whatever.

nun, zehn jahre später trägt er sie. sie hat sich in seine arme gleiten lassen als ein jahr nach der hochzeit ihre krankheit wieder zuschlug.
sie wiegt kaum noch etwas und japst nach luft. mark hält sie, füttert sie, versorgt sie mit dem telefonhörer, stellt den rollstuhl bereit und geht nicht mehr aus dem haus. vor einem jahr hatte mark einen schlimmen herzinfarkt. aber dem konnte er nicht nachgeben, weil er ja hanna auf händen tragen will.

Freitag, 21. September 2007

scheidung....

leicht gemacht. und who the fuck braucht ehe auf zeit?
frau juicy aus barca schickt mir dieses nette schmankerl zur auflösung dieser unsäglich blöden debatte.

Scheidung-1-

Montag, 27. August 2007

wenig avantgardistisch ist meine preisfrage…

was geht in – nennen wir ihn der einfachheit halber: herrn sonzag – in diesem mann, herrn sonzag, vor?
nach der kurzen flucht ins ostfriesische sitzen wir letztmalig am hotelfrühstückstisch. nein, im hotel sind wir nicht abgestiegen, aber die ferienwohnung hat allen komfort: der hund darf rein, rauchen darf man und es gibt ein frühstück im benachbarten hotel.
dort haben alle zweier-, dreier, vierer- und fünferkombinationen der gästepaarungen einen eigenen tisch, um dort eier, melonen und käse-ecken auszubreiten. heute nicht. da haben wir pech – oder auch glück: die kleinen tische sind besetzt, wir teilen mit dem ehepaar sonzag einen großen tisch. dieser ist so lang, dass man die beiden paare einander gegenüber, an den längsseiten des tisches postiert.
so sind wir in der einzigartigen position, die essgewohnheiten der mittischnachbarn zu beobachten. frau sonzag ist feinfühlig und daher bereits mit meinem ersten irritierten blick ebenfalls irritiert und zudem peinlich berührt. ich – bzw. wir – haben ihren mann im auge.
es ist völlig in ordnung, dass er mit ca. 70 seine haare braun färbt und seinen kugelbauch im baumwollshirt zur geltung bringt.. weniger in ordnung ist es, dass er seine haare nicht pünktlich nachfärbt. aber egal.
herr sonzag hat ein geöffnetes körnerbrötchen vor sich auf dem teller liegen und probiert, ob man es mit dem messer in kleine stücke schneiden kann.
man kann nicht.
er probiert erneut, mit seinem frühstücksmesser eine ecke von der trockenen brötchenhälfte abzuschneiden. frau sonzag, frau rosmarin und herr rosmarin schauen ihm irritiert dabei zu. es gelingt ihm nicht. also säbelt er mit mehr kraft, aber das hilft auch nicht. frau sonzag schaut hilfesuchend aus dem fenster, was ihr nichts hilft, denn herr sonzag reicht nach fünf minuten erfolgloser säbelei sein messer zu frau sonzag rüber. der tisch ist zu lang und ausser frau sonzag versteht keiner seinen vortrag.
er versucht es erneut.
nachdem sich das brötchen entweder als unschneidbar (jetzt mal im ernst, wer isst sein brötchen messerschneidend?) erweist, oder aber das messer als untauglich, belegt er das brötchen mit kochschinken. schlimm genug.
nun versucht er das belegte brötchen mit dem messer zu schneiden, was erneut misslingt. er geht also dazu über, selbiges mit dem messer zu zerrupfen, denn frau sonzag ist nicht mehr bereit, seinen vorträgen über was auch immer zu lauschen und hat sich endgültig dem fenster zugewandt.
was ich selbst mit den fingern in mein mäulchen geschaufelt habe, weiß ich nicht mehr, denn ich war vielzusehr mit der frage beschäftigt, was in dem manne wohl vor sich geht.

Dienstag, 21. August 2007

0 + 3 .... oder so ähnlich....

mein zeitgefühl ist nach drei tagen feiern einfach futsch.
zumal die polente diesmal nicht kam (der nachbar, der sie gern ruft, soff sich durchs partyzelt)....
die party war so heiß, dass der himmel mit extremkälte gegensteuerte. die gäste voller feuer und sangeskraft, gelegentlich blitzt sonne hervor...
egal... ich muß erst mal ne woche schlafen.
wed1
man bemerke den brautstrauß, mit liebe von frau blütenstaub mit chilis, eufeu, paprika, johanneskraut, rosmarin und schokoladencosmeen geknüpft.

und überhaupt....

Hunde, sind unsere Verbindung zum Paradies. Mit einem Hund an einem herrlichen Nachmittag an einem Hang zu sitzen kommt dem Garten Eden gleich, wo Nichtstun nicht Langweile war - sondern Frieden. (Milan Kundera) Yahoo! Avatare

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Danke für den Link. Das hört sich irgendwie...
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