Dienstag, 23. September 2014

Bissi Lachyoga....

ist das Einzige... so zwischendrin, während meiner Tour quer durch die Republik.



Bis Mitte November muss ich durchhalten.
Jetzt Hamburg, dann Osnabrück, Koblenz, Frankfurt, Westerwald, Jena, Fulda, Wiesbaden usw. usw.
Hilft nur Lachyoga grad. Nix Literatur.
Ach doch.... zur letzten Zugfahrt habe ich mir einen Bestseller gekauft. Bisher finde ich ihn mässig geschrieben. Mal schaun, ob es die story rausreist.
(den Circle meine ich)

Freitag, 12. September 2014

Am Ende bin ich dann doch ganz brutal...

… mit dem Staubsauger durch die ganze Bude und habe nach vier Wochen, dann doch noch die ganzen Schnaken und Spinnen, nebst ihren avisierten Nachwüchsen in den Staubsauer gejagt. Neee…. Ich ess ja kaum Fleisch. Wegen des Ekels und des Karmas (von dem ich eh nicht überzeugt bin). Auch die Kreuzspinnen, die Kellerasseln und eben Spinnen nebst Schnaken durften hier übersommern. Vom Besuch ganz zu schweigen. Aber am Ende dachte ich, dass ich zurück kommen möchte, in ein freies Haus. Eines, das nur uns gehört.
Vermutlich werden sie – während ich jetzt wieder im bergigen Teuto meine Schühchen und Kostümchen für die nächsten Reisen zusammen suche – eh im Staubsauger weiter leben und mich freudig vermehrt im – oder über den Staubsager hinaus – Häuschen erwarten.
Lange Sätze schreiben darf ich endlich wieder, seitdem mir Frau Punctum den Herrn Sommer geschickt hat. Sein erster Satz ging über viele Seiten und ich bekenne mich jetzt wieder mit Freuden zu Bandwurmsätzen.
Mit der ein oder anderen Freundin werde ich es genau so halten wie mit den Spinnen und Schnaken, nur werde ich mich nicht in Bandwurmsätzen darüber ergehen. Ich werde nur einfach keine Plätze mehr anbieten. Werde keine Räume mehr zur Verfügung stellen, wenn man es jahrelang nicht schafft, zwar all meine Nachfragen zur Befindlichkeit gerne auszubreiten, aber über Jahre nicht mal nach meiner fragt. Werde nicht mehr Freundlichkeiten und Interesse verschenken, wo diese nur zum Eigennutz geschätzt werden, aber ohne gleiche Währung zurück gezahlt werden.
Ich bin ja eh ein Fan von Beziehungsökonomie. Gute Freundschaften haben ein ausgeglichenes Konto. Der Rest ist sich selbst und anderen in die Tasche gelogen. Und in der Tasche des Staubsaugers sitzen nun alle munter beisammen. Die Spinnen und Schnaken wissen dies. Die anderen noch nicht.
Ich darf das mal so sagen.... seit ich den neuen leitspruch meiner herzlieben freundin d. aus g. übernehme:
vorsicht.
die frau ist bissig.
der hund ist harmlos.

Sonntag, 7. September 2014

Notizen aus der Provinz

Heute habe ich im Dorf ein Hängebauchschwein entdeckt. Das ist fein. Es ergänzt Esel, Ziegen, 1001 Meerschweinchen (wegen der Kids), hasenraubende Katzen, brave Hunde, 5 alleinerziehende Rehmütter + 9 Kids-Kitze, 3 Böcke, ungezählte Fasane und Rebhühner. Besonders Fasane und Rebhühner im Jugendlichenalter – also frisch geschlüpft und bereits in der Vorbereitung auf die kommende Saison.
So wie Thorsten und Sven, die sich noch nicht darüber einigen können, ob sie nächsten Frühjahr, wenn sie also dann endlich 13 und 14 werden, lieber versuchen wollen, Touristinnen zu küssen oder doch lieber Treckerfahren üben.
…..
Das alternde Möchtegernwindhundfräulein ist fast zum Selbstversorger mutiert. Sie findet morgens Teile von Kaninchen, mittags Fischköppe und Gräten, abends nascht sie an Miesmuscheln. Und auch ihr Herbst ist angebrochen. In der Leiste wächst ein Fettgeschwulst, gelegentlich humpelt sie, aber für eine Schlägerei mit der Nachbarskatze ist sie immer noch zu haben.

sv
Nein!!!! Sie war es nicht. Sie hat es gefunden.

…..
Der Mann ist zwar arbeitslos…. aber eigentlich ist er arbeitsfrei. Er lässt die Haare wachsen und trägt eine Mischung aus weiß, grau, sonnenblond, schwarz und kaminroten Strähnen. Vor allem aber blitzen seine Augen wieder so blau wie der Himmel über der Insel. Dies wiederum ist schon lange her und ich bin ein bisschen fassungslos, wie sehr die Abwesenheit von Pflicht und american context, seine Person erneut zum Vorschein bringen.
Die kaminroten Strähnen hängen mit dem Bullerbühäuschen zusammen, aber das ist eine andere Geschichte, die gesondert bebildert werden wird. (Falls es meine Zeit zulässt.... denn demnächst..... viel Köfferchen und Schühchen und Kostümierungen)
…..
Das was uns hier so hält, ist die vollkommene Abwesenheit von Geräusch und Reiz. Felder sind Felder, Meer ist Meer und Ruhe ist Ruhe. Glücklicherweise sind auch Plappermäuler hier rar (Touristen ausgenommen). Ich habe mich mit dem Jäger im Dorf ein bisschen angefreundet (=trifft man sich zufällig, klönt man bissi über die bekloppte Welt und ergeht sich in Dialogen über Wild und über jagdliche Hunde) und treffe gelegentlich Ausserirdische.

bovist

Sie sind groß und haben merkwürdig stabile Instabilitäten. Manch einer behauptet, es seien Boviste.... aber ich weiß es besser: Es sind Außerirdische.

Freitag, 5. September 2014

Burnout

Ich glaube, sie ist ausgebrannt.
Ich habe es kommen sehen und kann das beurteilen, denn ich bin ja vom Fach.
All ihre Kraft hat sie in den letzten fünf Monaten hier auf der Insel verbraten. Unermüdlich ist sie wahnsinnig früh aufgestanden und wahnsinnig spät ins Bett gegangen. In ihren besten Zeiten war sie nur vier Stunden ausruhen. Unglaublich, was sie geleistet hat.
Raps, Weizen, Gerste, Roggen, Erdbeeren, Kirschen, Himbeeren, Rehkitze, Fasaneneier und Perlhühner hervorgebracht. Ganz nebenbei Terroristen gebräunt und Fahrradverleiher glücklich gemacht. Ebenso Strandkorbvermieter, Ferienhausvermieter und Kutterbesitzer ihren Winterspeck verdienen lassen. Nun ist sie ausgebrannt.
Vor einigen Wochen ist der Herbst ihr zur Seite gesprungen und hat Frau Sonne eine Zwangspause verabreicht. Da war das Wehklagen groß – auch meines. Und schon hat die Gute sich wieder aufgerappelt, den kleinen Herbst zur Seite geschoben und noch mal alles für die Brombeeren und Birnen getan, die Kitze bescheint und ihren wirklich guten Willen – selbst für die Badegäste – gezeigt.
Trotzdem bin ich der Meinung, dass sie nun definitiv ausgebrannt ist. Der Herbst ist gereift und steht ihr nun sanftmütiger zur Seite als noch vor einigen Wochen. Leise schickt er sie etwas früher ins Bett und auf Zehenspitzen läuft er früh morgens durchs Firmament, so dass sie ein bisschen länger schlafen kann.
Pssst…. auch dass sie tagsüber mit leiserem Licht erscheint, wollen wir nicht laut aussprechen. Wir streichen in ihrer Mittags“hitze“ unser Gartenhäuschen und tun so, als ob alles wie immer wäre.
Sie wäre sicher gekränkt, wenn wir die fünfundzwanzig Grad nicht immer noch als Sommer bezeichnen würden.
Vielleicht hat sie eine Chance, dem Burnout zu entkommen, wenn der Herr Herbst sie weiterhin so zart an die Hand nimmt.
Vielleicht gönnt sie sich ja auch einen kleinen Winterschlaf, irgendwann. Das wäre sicher ihre beste Chance, nicht komplett auszubrennen.
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Der Herr Ro meint, mir ginge es ähnlich wie der Sonne und ich sei auch ausgebrannt. Aber er irrt, er ist ja auch nicht vom Fach. Zugegeben, ich schlafe hier vielmehr als sonst und bin meistens müde und schlapp. Aber ich freue mich auf die erneute Reiserei der nächsten Wochen und Monate. Einzig….in einem klitzekleinen Moment ist etwas merkwürdiges passiert:
Im Postkasten fand ich den Katalog der ortsansässigen Volkshochschule, den ich beim späten Frühstück durchblätterte. Und plötzlich entstand – ganz gegen meinen Willen – vor mir ein wunderbarer Möglichkeitsfilm: montags-Töpferkurs, dienstags-Salsakurs, mittwochs-Plattdeutsch lernen, donnerstags-Yoga, freitags-veganes Kochen…. Jeden Tag einen Kurs nach meinem Geschmack. Täglicher Müßiggang in einem Fach meiner Wahl. Lernen statt Lehren. Dazwischen Hundespatziergänge am Meer.
Aber ich bin nicht ausgebrannt, ich lodere noch.
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Freitag, 8. August 2014

Ausgewildert

Vor drei Tagen haben wir uns ausgewildert.
Lederschuhe gegen Flipflops, Röcke gegen kurze Hosen, Blusen gegen T-shirt getauscht, das Hundefräulein eingepackt und mit Hänger und tausend Werkzeugen auf die Insel geflohen.
Hier ist der Möchtegernwindhund Selbstversorger. Beim frühen Spazieren hat sich das Fräulein drei Mäuse und einen bereits verstorbenen Hasen einverleibt und liegt anschließend auf den kühlen Fliesen des Badezimmer.
Der Mann hat das Bullerbühäuschen in Angriff genommen, denn es ist in einem schlimmen Zustand.
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Kurz haben wir über Sterbehilfe nachgedacht und uns dann doch für einige Operationen und Pflege entschlossen.
Des Gatten Haare wachsen und blondieren in der Sonne.
Täglich besuchen uns Jannis und Nick. Sie sind neun Jahre alt, beste Kumpel und streiten den ganzen Tag darüber, wer im größeren Haus wohnt, wer mehr über Traktoren weiß, wer den besseren Salto macht und wer der bessere Kerl ist.
Nick findet er sei in allem besser.
Janis findet das nicht. Nick sagt, Janis sei dumm. Ich sage, Janis sei aber besonders nett.
Nick: „pah…. Nett sein ist total dumm. Ich bin lieber nicht nett. Gar nicht nett. Ich habe meinen Cousin verprügelt, ha…. der rennt immer noch irgendwo herum und ist auf der Flucht.“
Janis: „Du wolltest ja auch den kleinen Touri verprügeln..“
Nick: „klar!!!! Der Idiot hat mir dreimal einen Stein an den Kopf geworfen und mich provoziert. Pah… der hat einen Headshot verdient“
Janis: „…aber der Bauer Lürsen hat gesagt, wenn wir den Touris was machen, dann dürfen wir nicht mehr in die Spielscheune…“
Nick: „… und …. Ist das ein Problem????“
Janis: „hm…. Ja schon, denn dann darf mein Vater auch nicht mehr bei der Ernte helfen und dann darf ich nicht mehr Trecker fahren. Das ist dann ein großes Problem“
Ich mag den kleinen Janis, der zwar in der Schule als dumm gilt, aber eigentlich so ein kluger kleiner Kerl ist, der nun auch kräftig damit angeben darf, dass er der Freund vom kauzigen Fräulein ist.

Sonntag, 27. Juli 2014

Ruppert und Gerda

Ruppert ist ziemlich ruppig. Ihm gehen Menschen einfach auf den Geist.
Drum ist er meistens mit dem Fahrrad unterwegs. Da kann er schnell an ihnen vorbeifahren und an guten Tagen – das sind die, zu denen seine Laune besonders mies ist – fährt er ohne zu Klingeln haarscharf an ihnen vorbei. Es gibt ihm Genugtuung, wenn sie erschrocken zur Seite springen. Und wenn sie dann noch hinter ihm her schimpfen weiß er: die Welt ist voller Idioten.
Ruppert ist Westfale und nein, er geht nicht zum Lachen in den Keller – wie man so schön sagt. Er lacht überhaupt nicht. Er findet auch keinen Grund zum Lachen.
Ruppert ist häufig mit dem Fahrrad unterwegs denn zu Hause lebt, putzt und kocht seine Frau Gerda. Er findet auch Gerda nervig, drum ist er oft draußen.
Er radelt durch den Wald und hofft, keine Wanderer zu treffen. Ihre Grüße lässt er aus Prinzip unerwidert und in unbeobachteten Momenten legt er Abfälle und Tierkot auf die Bänke für die Spaziergänger.
Seine nichtsnützigen Söhne kommen schon lange nicht mehr zu Besuch und das findet Ruppert auch völlig in Ordnung so. Er weiß einfach nicht, was er mit ihnen reden soll und ihre Erzählungen vom Job findet er zum Gähnen langweilig. Auch Gerda findet er zum Gähnen langweilig und glücklicherweise spricht sie ihn nur noch in Notfällen an. Dennoch treibt ihre schiere Anwesenheit aus dem Haus. Er mag sie nicht sehen und es reicht ihm, wenn seine Wäsche frisch gebügelt im Schrank und was Warmes zu Essen auf dem Tisch ist.
Dass in seinem Magen ein Tumor wächst, weiß er noch nicht. Auch, dass Gerda ihn im Krankenhaus nicht besuchen wird, sondern mit dem verwitweten Nachbarn eine Kreuzfahrt unternehmen wird, weiß Ruppert noch nicht.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Liebe Angler,...

ich weiß, so ein Mann hat es nicht leicht heutzutage.
Ich verstehe sowieso, dass die Ruhe in der Natur etwas ganz Wunderbares ist, und man den Businessanzug oder die Jogginghose auch mal gegen grünes Gummi eintauschen möchte.
Selbst für Dosenbier und illegale Grillwürstchen an meinem Lieblingsteich habe ich durchaus Verständnis.
Nur eines verstehe ich nicht: Fühlt ihr Euch wirklich als Helden oder Männer, wenn ihr im Frühjahr kleine Fische im Teich aussetzt, die ihr dann über den Sommer hinweg wieder hinausangelt?
Gut, nicht jeder hat das Geld für einen Lachstrip nach Norwegen oder für Hochseefischen in Costa Rica. Ich sehe auch ein, dass nicht jeder Bärentöter in Alaska oder Torero in Cordoba werden kann. Aber wäre es nicht weitaus heldenhafter, ihr würdet den Bärenfreilauf im ortsansässigen Tierpark säubern oder kleine Kinder nachmittags ehrenamtlich betreuen? Ihr könnten auch den Müll in den Wäldern entsorgen und dabei tüchtig und ganz umsonst Muskelaufbau betreiben. In der Natur wärt ihr dann auch und die Stadt hielte bestimmt eine Tapferkeitsmedaille für euch bereit.
Jetzt mal ehrlich…. die Hälfte der Fische, die ihr da aus dem Teich zieht, schmeißt ihr eh wieder rein.
Und auch den Enten und Blesshühnern, die eure Angelhaken verschlucken, helft ihr nicht. Ich sehe immer nur Spaziergänger, die den armen Tieren helfen.
Sicher, sicher, als Frau verstehe ich nichts vom Angeln und vom Heldsein. Aber wisst ihr, was mich trotzdem richtig wurmt?
Vor drei Jahren fand der Schwan endlich eine Frau, die zu ihm an den Teich zog. Im ersten Jahr, erfreuten sie uns Flaneure mit sieben Jungschwänen, die sie dann auch ordnungsgemäß aus dem Teich warfen, als die Jugendlichen fliegen konnten. Im zweiten Jahr schenkten sie uns sechs Jungtiere, die geheimnisvoll in einer Nacht plötzlich alle verschwunden waren. Und dieses Jahr?
Da verschwand plötzlich das gesamte Gelege aus dem Schwanennest. Ein Schelm wer böses denkt und ich möchte euch ja wirklich nichts unterstellen, …. aber nächstes Jahr werden wir das Nest bewachen. Wir nichtangelnden Heldinnen des Teichs.

Sonntag, 29. Juni 2014

...und dann ist es ausgerechnet die Praktikantin,...

... die mein wohlgehütetes Geheimnis aufdeckt.
Zwei Tage habe ich mit einer hinreißenden Gruppe arbeiten dürfen. Wir waren eloquent, charmant, klug, gründelten in Tiefen und loteten mögliche Höhen aus, in die man sich hinaufschrauben könnte.
Tapfer stand ich gut gekleidet, inselgebräunt und hochhackig inmitten meines Workshops und war glücklich, als alle hundertprozentig zufrieden, dankend, Hände schüttelnd und fröhlich sich verabschiedeten.
Es folgt die Nacharbeit mit Raum aufräumen, Zeugs einpacken und.... ja... endlich die bequemen Schuhe auspacken.
Nun ist es also raus.
Fucking Fifty.
Ich kraxle nicht mehr mit Stilettos durch alle Untergründe. Viel schlimmer: ich werfe sie von mir, sobald ich mich unbeobachtet fühle.
Schlimmer noch: ich latsche im Kostüm und Mokassins zum Zug. Allerdings wird der Schuhwechsel in einer uneinsehbaren Gasse vorgenommen.
Nur dieses Mal, war ich so schnell raus aus der Firma, denn es musste ja auch noch Fussball geschaut werden.
Und dann war es ausgerechnet die Praktikantin, die mir mit den ausgepackten Mokassins hinter herlief, um sie mir zu geben.
Mein wohl gehütetes Geheimnis, dass Frau Ro nach zwei Tagen die Füße schmerzen und sie bequeme Schuhe mit sich herumschleppt, ist nun also keins mehr.

bein

und überhaupt....

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