Freitag, 8. August 2014

Ausgewildert

Vor drei Tagen haben wir uns ausgewildert.
Lederschuhe gegen Flipflops, Röcke gegen kurze Hosen, Blusen gegen T-shirt getauscht, das Hundefräulein eingepackt und mit Hänger und tausend Werkzeugen auf die Insel geflohen.
Hier ist der Möchtegernwindhund Selbstversorger. Beim frühen Spazieren hat sich das Fräulein drei Mäuse und einen bereits verstorbenen Hasen einverleibt und liegt anschließend auf den kühlen Fliesen des Badezimmer.
Der Mann hat das Bullerbühäuschen in Angriff genommen, denn es ist in einem schlimmen Zustand.
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Kurz haben wir über Sterbehilfe nachgedacht und uns dann doch für einige Operationen und Pflege entschlossen.
Des Gatten Haare wachsen und blondieren in der Sonne.
Täglich besuchen uns Jannis und Nick. Sie sind neun Jahre alt, beste Kumpel und streiten den ganzen Tag darüber, wer im größeren Haus wohnt, wer mehr über Traktoren weiß, wer den besseren Salto macht und wer der bessere Kerl ist.
Nick findet er sei in allem besser.
Janis findet das nicht. Nick sagt, Janis sei dumm. Ich sage, Janis sei aber besonders nett.
Nick: „pah…. Nett sein ist total dumm. Ich bin lieber nicht nett. Gar nicht nett. Ich habe meinen Cousin verprügelt, ha…. der rennt immer noch irgendwo herum und ist auf der Flucht.“
Janis: „Du wolltest ja auch den kleinen Touri verprügeln..“
Nick: „klar!!!! Der Idiot hat mir dreimal einen Stein an den Kopf geworfen und mich provoziert. Pah… der hat einen Headshot verdient“
Janis: „…aber der Bauer Lürsen hat gesagt, wenn wir den Touris was machen, dann dürfen wir nicht mehr in die Spielscheune…“
Nick: „… und …. Ist das ein Problem????“
Janis: „hm…. Ja schon, denn dann darf mein Vater auch nicht mehr bei der Ernte helfen und dann darf ich nicht mehr Trecker fahren. Das ist dann ein großes Problem“
Ich mag den kleinen Janis, der zwar in der Schule als dumm gilt, aber eigentlich so ein kluger kleiner Kerl ist, der nun auch kräftig damit angeben darf, dass er der Freund vom kauzigen Fräulein ist.

Sonntag, 27. Juli 2014

Ruppert und Gerda

Ruppert ist ziemlich ruppig. Ihm gehen Menschen einfach auf den Geist.
Drum ist er meistens mit dem Fahrrad unterwegs. Da kann er schnell an ihnen vorbeifahren und an guten Tagen – das sind die, zu denen seine Laune besonders mies ist – fährt er ohne zu Klingeln haarscharf an ihnen vorbei. Es gibt ihm Genugtuung, wenn sie erschrocken zur Seite springen. Und wenn sie dann noch hinter ihm her schimpfen weiß er: die Welt ist voller Idioten.
Ruppert ist Westfale und nein, er geht nicht zum Lachen in den Keller – wie man so schön sagt. Er lacht überhaupt nicht. Er findet auch keinen Grund zum Lachen.
Ruppert ist häufig mit dem Fahrrad unterwegs denn zu Hause lebt, putzt und kocht seine Frau Gerda. Er findet auch Gerda nervig, drum ist er oft draußen.
Er radelt durch den Wald und hofft, keine Wanderer zu treffen. Ihre Grüße lässt er aus Prinzip unerwidert und in unbeobachteten Momenten legt er Abfälle und Tierkot auf die Bänke für die Spaziergänger.
Seine nichtsnützigen Söhne kommen schon lange nicht mehr zu Besuch und das findet Ruppert auch völlig in Ordnung so. Er weiß einfach nicht, was er mit ihnen reden soll und ihre Erzählungen vom Job findet er zum Gähnen langweilig. Auch Gerda findet er zum Gähnen langweilig und glücklicherweise spricht sie ihn nur noch in Notfällen an. Dennoch treibt ihre schiere Anwesenheit aus dem Haus. Er mag sie nicht sehen und es reicht ihm, wenn seine Wäsche frisch gebügelt im Schrank und was Warmes zu Essen auf dem Tisch ist.
Dass in seinem Magen ein Tumor wächst, weiß er noch nicht. Auch, dass Gerda ihn im Krankenhaus nicht besuchen wird, sondern mit dem verwitweten Nachbarn eine Kreuzfahrt unternehmen wird, weiß Ruppert noch nicht.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Liebe Angler,...

ich weiß, so ein Mann hat es nicht leicht heutzutage.
Ich verstehe sowieso, dass die Ruhe in der Natur etwas ganz Wunderbares ist, und man den Businessanzug oder die Jogginghose auch mal gegen grünes Gummi eintauschen möchte.
Selbst für Dosenbier und illegale Grillwürstchen an meinem Lieblingsteich habe ich durchaus Verständnis.
Nur eines verstehe ich nicht: Fühlt ihr Euch wirklich als Helden oder Männer, wenn ihr im Frühjahr kleine Fische im Teich aussetzt, die ihr dann über den Sommer hinweg wieder hinausangelt?
Gut, nicht jeder hat das Geld für einen Lachstrip nach Norwegen oder für Hochseefischen in Costa Rica. Ich sehe auch ein, dass nicht jeder Bärentöter in Alaska oder Torero in Cordoba werden kann. Aber wäre es nicht weitaus heldenhafter, ihr würdet den Bärenfreilauf im ortsansässigen Tierpark säubern oder kleine Kinder nachmittags ehrenamtlich betreuen? Ihr könnten auch den Müll in den Wäldern entsorgen und dabei tüchtig und ganz umsonst Muskelaufbau betreiben. In der Natur wärt ihr dann auch und die Stadt hielte bestimmt eine Tapferkeitsmedaille für euch bereit.
Jetzt mal ehrlich…. die Hälfte der Fische, die ihr da aus dem Teich zieht, schmeißt ihr eh wieder rein.
Und auch den Enten und Blesshühnern, die eure Angelhaken verschlucken, helft ihr nicht. Ich sehe immer nur Spaziergänger, die den armen Tieren helfen.
Sicher, sicher, als Frau verstehe ich nichts vom Angeln und vom Heldsein. Aber wisst ihr, was mich trotzdem richtig wurmt?
Vor drei Jahren fand der Schwan endlich eine Frau, die zu ihm an den Teich zog. Im ersten Jahr, erfreuten sie uns Flaneure mit sieben Jungschwänen, die sie dann auch ordnungsgemäß aus dem Teich warfen, als die Jugendlichen fliegen konnten. Im zweiten Jahr schenkten sie uns sechs Jungtiere, die geheimnisvoll in einer Nacht plötzlich alle verschwunden waren. Und dieses Jahr?
Da verschwand plötzlich das gesamte Gelege aus dem Schwanennest. Ein Schelm wer böses denkt und ich möchte euch ja wirklich nichts unterstellen, …. aber nächstes Jahr werden wir das Nest bewachen. Wir nichtangelnden Heldinnen des Teichs.

baumfisch

Sonntag, 29. Juni 2014

...und dann ist es ausgerechnet die Praktikantin,...

... die mein wohlgehütetes Geheimnis aufdeckt.
Zwei Tage habe ich mit einer hinreißenden Gruppe arbeiten dürfen. Wir waren eloquent, charmant, klug, gründelten in Tiefen und loteten mögliche Höhen aus, in die man sich hinaufschrauben könnte.
Tapfer stand ich gut gekleidet, inselgebräunt und hochhackig inmitten meines Workshops und war glücklich, als alle hundertprozentig zufrieden, dankend, Hände schüttelnd und fröhlich sich verabschiedeten.
Es folgt die Nacharbeit mit Raum aufräumen, Zeugs einpacken und.... ja... endlich die bequemen Schuhe auspacken.
Nun ist es also raus.
Fucking Fifty.
Ich kraxle nicht mehr mit Stilettos durch alle Untergründe. Viel schlimmer: ich werfe sie von mir, sobald ich mich unbeobachtet fühle.
Schlimmer noch: ich latsche im Kostüm und Mokassins zum Zug. Allerdings wird der Schuhwechsel in einer uneinsehbaren Gasse vorgenommen.
Nur dieses Mal, war ich so schnell raus aus der Firma, denn es musste ja auch noch Fussball geschaut werden.
Und dann war es ausgerechnet die Praktikantin, die mir mit den ausgepackten Mokassins hinter herlief, um sie mir zu geben.
Mein wohl gehütetes Geheimnis, dass Frau Ro nach zwei Tagen die Füße schmerzen und sie bequeme Schuhe mit sich herumschleppt, ist nun also keins mehr.

bein

Montag, 23. Juni 2014

Nichts bleibt wie es ist....

.... und ich finde das gerade ganz wunderbar.
Während mein Terminkalender für dieses Jahr sehr gut gefüllt ist und ich also ständig Köfferchen ein- und um- und auspacke, bin ich neuerdings mit einem neuen Mann verheiratet.
Er ist ein freeman jetzt.
Selig hat er sein Arbeitsleben beendet und ich lerne ihn ganz neu kennen (wenn ich mal da bin).
Seit er so wahnsinnig gute Laune hat, bin ich eigentlich nur noch grinsend unterwegs und freue mich für ihn und für uns. Nichts wird bleiben wie es ist und wir werden uns in absehbarer Zeit komplett auf die Insel zurück ziehen.
Er lässt die grauen Haare wachsen und wird seiner Leidenschaft (Didgeridoo spielen) eine neue Dimension geben: Didgeridoos bauen. Ich werde mir noch mehr Lücken im Reisekalender lassen und meinen Leidenschaften fröhnen: lange Seufzmärsche mit dem alternden Fräulein Möchtegernwindhund am Meer, die Geschichten endlich aufschreiben, die mir im Kopf herum sausen.
Wenn die Zeit reif ist, fallen alle Entscheidungen plötzlich leicht. Und wir haben gerechnet.
Mit zunehmendem Alter scheint die Zeit ja eine andere Geschwindigkeit anzunehmen. Als wir einander kennen lernten, war er ein attraktiver Mittvierziger und ich entsprechend neun Jahre jünger.
Nun sind zwölf Jahre rum und sie sind so wahnsinnig schnell vergangen. So vieles haben wir in diesen Jahren gestemmt und nun habe ich bereits die fucking fifty erreicht. Da darf man ja mal rechnen. Vermutlich - wenn alles gut geht - haben wir noch 20-25 Jahre in denen wir gesund durch die Welt schwurbeln. Vermutlich gehen die gefühlt genau so schnell herum wie die letzten 12 Jahre.
Also haben wir entschieden, diese Zeit zu genießen und und mehr Kür als Pflicht zu unserer Priorität zu machen.
So siehts aus.
Wenn ich dann noch Nachhilfe in wordpress erhalte, werden nicht nur wir, sondern auch das Blögchen vermutlich umziehen.
Die Stille liebe ich mehr als vieles andere. Aber Stille im Blögchen erzeugt Gähnen bei mir und ich verliere die Lust. Nicht am Schreiben, aber die Lust auf diese Plattform.
Na schaun wir mal.
Jetzt erst mal wieder Koffer packen und Hundefutter verdienen gehen.
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Donnerstag, 29. Mai 2014

Merci Papa.....

sage ich ja auch so häufiger mal.
z.B. wenn ich zu Euch ins Maindörfli komme und immer tonnenweise guter Sekt für unser Wiedersehensfest parat seht.
z.B. wenn ich mit Deinem chiquen Cabrio großspurig herumfahren darf.
z.B. wenn Du für mich in den Copyshop gehst und mir dicke Stapel Papier nach Hause trägst, mit denen ich dann Kunden bespaße.
z.B. wenn ich mich daran erinnere, wie Du früher mit mir nächtelang die Weltpolitik diskutiert hast, obwohl du zwei Stunden später bereits arbeiten musstest.
z.B. wenn Du munter durch die Republik fährst, um mich zu besuchen und zur Not auch den ICE statt das Auto nimmst.
z.B. wenn Du immer versuchst up-to-date zu bleiben und Dich in allerlei technischen Internetschnickschnack einarbeitest.
z.B. wenn Du tapfer in der Klinik liegst und Dich über unser Kommen freust, als sei das nicht eh selbstverständlich.
z.B. wenn Du mir Zeitungsartikel aus der FAZ ausschneidest und mit Datum versiehst, weil du denkst es könnte mich interessieren (was es in der Regel auch tut).
z. B. weil Du immer Wert legst darauf, meinen Kalender zu kennen. Einfach, weil Du gerne weißt, wann ich wo bei welchem Kunden bin und zwischendurch auch mal im Maindörfli aufschlage.
….
Und heute, weil es mich stolz macht, dass Du diesen ganzen Internetschnickschnack lernst, auch damit Du meinen Blog lesen kannst.
Und weil Du meiner Mutter heute Blumen gekauft hast, weil sie Dich zum Vater gemacht hat!

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Donnerstag, 22. Mai 2014

Mit Hund hat man ganz fix ein Satellitenkind....

... und es stellt viele Fragen:
Beißt der mich?
Wieso will der Hasen fressen?
Oder:
"Wo wohnst du, wenn du nicht hier bist?"
Ro: "in der Puddingstadt und im Maindörfli und eh sonst überall im Hotel"
"Ist das weit weg?"
Ro:" naja so vier Stunden nach Süden"
"Ah..... also hinter der Brücke?!"
Äh ja.... hinter der Brücke

Montag, 19. Mai 2014

Nachmittags...

...sitze ich im Hof des Inselhäuschens und lehne mich an die Sandsteinwand, die von Wespen zu entern versucht wird. Die Sonne schickt mir ihre letzten Strahlen, wärmt und lässt bunte Funken hinter meinen geschlossenen Augenlidern ein Tänzchen veranstalten. Hinten toben die Nachbarjungs mit dem Vater und einem Fußball. Ihr Gelächter und Gejuchze steckt mich an und während ich den summenden Wespen lausche denke ich, dass dies echtes Glück ist.

Abends….
...verspeisen wir Gambas mit Knoblauch, Tomyum und Linsen. Beim letzen Gang mit dem Hund durch dicke Nebelschwaden stehen neben uns in den Feldern Rehe und schauen uns großäugig an. Während wir tagschließend eine letzte Zigarette im Schweinstall rauchen und der Stille lauschen denke ich, dass dies echtes Glück ist.

Nächtens….
...wird gestorben. Einen Fasan haben Ratten erlegt und ihn ausgeweidet. Die Nachbarskatze hat ein Kaninchen nach Hause getragen und irgendwer hat dem jugendlichen Hasen eines seiner langen Ohren entwendet. Früh um sechse rennt er auf der Landstraße einohrig vor uns her. Aus dem Schweine-KZ dringt lautes Schreien und ich esse eh nur noch Fisch und Gemüse, denn beide können nicht schreien.

Morgens….
...sind der Möchtegernwindhund und ich eins.
frueh
Plötzlich erinnere ich mich, wer ich mal war, damals als ich ein junges Mädchen war. Schüchtern und am liebsten alleine bin ich durch meine kleine italienische und frankfurter Welt gewandert. Staunend und schauend. So ist es jetzt auch. Wenn wir früh (früher als ich sonst je freiwillig aufstehen würde) losziehen, ist die Sonne trotzdem schon warm. Eines der ungelösten Inselgeheimnisse. Es ist deutlich wärmer, als die Temperaturen vermuten lassen und bereits um sieben laufe ich bei 17 Grad kurzärmelig mit dem Tier durch die Dörfer und Wiesen. Wir bestaunen Rehe, den einohrigen Hasen und all seine Verwandten. Der KZ-Bauer kommt, um seine Mastschweine zu füttern, wir wandern schweigend und staunend durch die gelben Rapsfelder und ich denke, dass dies echtes Glück ist.

Mittags…..
...lese ich von Rena, dass ihr Mann Malte einfach im Mittagsschlaf entschwunden ist. Wieder hat sich eine Zeitblase geöffnet, in der nun ein mir lieber Mensch sitzt, und dem irrwitzigen Weiterlauf des Geschehens von tief innen heraus mit Verwunderung und Erstaunen zuschaut.
Glück ist so zerbrechlich, denke ich und zerreisse sofort das Kalenderblatt.

und überhaupt....

Hunde, sind unsere Verbindung zum Paradies. Mit einem Hund an einem herrlichen Nachmittag an einem Hang zu sitzen kommt dem Garten Eden gleich, wo Nichtstun nicht Langweile war - sondern Frieden. (Milan Kundera)

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