Mittwoch, 31. Dezember 2014

Andere räuchern... Ich putze....

… das alte Jahr aus dem Inselhäusi. Ich hab kein Räucher…. und ich hasse putzen. Also putze ich den letzten Tag des Jahres heraus aus dem Haus.
Währenddessen promeniert der Mann meines Herzens den Hund am Meer.
Am Ende putz ich mich selbst und steh unter der Dusche, während der Mann mein Lieblingslied für die Verstorbenen auflegt.
Draußen geht eine Rakete hoch und der Möchtegernwindhund, der nur die Raketen mehr als den Tierarzt oder das Wasser fürchtet, stürzt sich zu mir unter die Dusche.

Bei einem Glas weißen Weines beweine ich die Toten dieses Jahres und auch die anderen, die vor einigen Jahren gingen. Den kleinen Hund der lieben Blogfreundin, den Herzensbruder meiner lieben Überseefreundin, den bald verstorbenen Herzensonkel vom Land, der noch mit dem Tode ringt, den neu gewonnen Freund meines Vaters, der ebenso mit dem Leben und dem Tode ringt, den kleinen Buddha und den unbekannten, den man heute aus dem Main vor unserem frankfurter Domizil gezogen hat. Auch hier auf der Insel hat sich vorgestrig ein Mensch von der Dänemarkfähre geworfen. In etwa zwei Stunden werde ich mit dem Geheule aufhören oder es in Dankbarkeitsgeheule übergehen lassen. In Dankbarkeiten für dieses noch halbwegs gesunde Jahr. Und weil ich so wunderbare wenige Freunde habe und diesen Herzensmann an meiner Seite. Immer wenn ich die Stimme der anderen Seite höre, die mich zu rufen scheint, behauptet dieser phantastische Mann es sei nur ein Tinitus. Wunderbar.
Ich danke für dieses wunderbare Treffen unterschiedlichster Menschen Ende April im Teuto, für meinen beruflichen Erfolg, für die Insel und meine Freundin Frau D. aus dem Weinviertel, für meine bielefelder Freundinnen und für diese wunderbare Familie.
Das alte Jahr stirbt… und wir leben weiter. Wunderbar.
Mögen wir alle ein bisschen so bleiben wie wir sind und auch ein bisschen bessere Menschen werden. Oder auch nicht.

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Da ich auf dieser Platform zehn Jahre den Jahresrückblick verweigert habe, bleibe ich auch diesjährig dieser Tradition treu.
Ansonsten ziehe ich langsam aber sicher um:

http://www.meertau.wordpress.com

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Das Eiland...

...versinkt im Regen. Die Mäuse, die die Dachgeschosse des Erdreichs bewohnen, flüchten aufs Feld und werden vom Hund um die Ecke gebracht.
Glaubte ich nur, was ich sehe, so würde ich das Festland für unmöglich halten.
Auch das gestrig, anlässlich des Festes ausgesprochene Tötungsverbot, hat das Fräulein geflissentlich überhört und ein kapitales Kaninchen geschossen (@Jäger: an der Leine und ich konnte es wirklich nicht verhindern!).
Im beständigen Regen durchlaufen wir die Felder und erblicken, was der Winter her gibt. Die entlaubten Bäume zeigen gelegentlich ein Haus, das im Sommer nicht zu sehen ist, ein Reh, das im Garten des umme-Ecke-Nachbarn gemütlich schläft, nur mal den Kopf hebt, die Hundeleine erkennt und in aller Ruhe das Köpfchen auf den zusammengekringelten Leib zurücksinken lässt.
Wo sonst Mais, blühender Raps und Weizen stehen, sehen wir nun, was hinter allem steht: nackte, schwarze Erde. Sie ruht sich aus und erneuert ihre Fruchtbarkeit.
Die Gänse, die im November noch im Nachbarort herumliefen sind tot, verspeist, ausgeschieden. Asche zu Asche und Staub zu Staub. Auch die Schweine im Schweine-KZ sind halbiert und nur noch das fette Glücksschwein, das irgendwie dem Wahnsinn entkam, schaut durch den Zaun.
Freundinnen schicken mir lustige Kinderfotos und ich hatte das ruhigste Weihnachten seit ich denken kann.
Kein Baum, keine Geschenke, keine Lichterketten. Nur der Blick auf die dunkle Dorfstraße und der Herr Ro amüsiert sich köstlich über die Anderen. Sie hatten so viel Stress in den letzten Wochen: Geschenke kaufen, Bäume fällen, Lichterketten anbringen. Und in wenigen Tagen schon, werden sie wieder Stress haben: Geschenke umtauschen, Lichterketten abräumen, Bäume entsorgen. Wir werden dann auf die dunkle Dorfstraße schauen und dem Wind lauschen. Der manchmal stark genug ist, um tagsüber das Licht anzuknipsen.
In der Zwischenzeit räsonieren wir über den Satz meiner weinviertler Freundin, dass älter werden nichts für Weicheier sei und kurz bevor wir in tiefe Gedanken versinken, macht einer einen blöden Witz. Das ist andernorts guter Flamenco.
Viele Jahre ist es her, das ich jährlich im Mai zum Stierkampf fuhr. Es war damals ein großes Thema für mich und fällt in etwa mit der Zeit zusammen, als ich die ersten Blogs hatte. Dieser Plattform hier war ich nun fast zehn Jahre treu.
Dem Mann bin ich nun auch schon mehr als zwölf Jahre treu. Dabei war Treue nie meine Stärke. Was den Mann angeht, so fällt es mir leicht. Was die Plattform angeht, fällt es mir zunehmend schwer.
Also werde ich vermutlich die Adresse ändern, nicht aber das Schreiben, nicht aber den Mann, eigentlich werde ich fast nichts ändern. Eigentlich eine ganz gute Bilanz…. denke ich, während ich im Schweinestall rauche und meinen Rotwein trinke. Das Leben wird einiges ändern. Nicht nach meinem Geschmack, aber ich ändere erst mal so wenig, wie es das Leben mir vergönnt.

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wer nichts zu lesen geschenkt bekommen hat....

.....
könnte sich hier noch etwas hübsches runterladen
http://kittykoma.de/

Sonntag, 21. Dezember 2014

ich werde ein bisschen diogena spielen...

in den kommenden mehreren tagen.
...
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...

müde bin ich zu diesem ausklingenden jahr. eigentlich sind dies die meisten, aber ich war meistens nicht müde am ende eines jahres.
es war ein anstrengendes jahr.
volle kalender hatte ich auch vorher schon, aber diesjährig hat es mich zum ersten mal angestrengt. während mann und fräulein hund fröhlich herummäandern und einfach nur leben, bin ich ständig am kofferpacken und abarbeiten von erledigungslisten, bin ich charmant und schlagfertig und nun sagt der körper langsam: stop.
ich will nicht jammern, drum erspare ich diesem refugium hier die details.
ich habe auch brav jedes jahr den jahresrückblick verweigert.
so will ich es auch weiterhin halten.
warum sollte ich von schmerzen schreiben, von sterbenden, vom freund, der sich in die hölle zurück gezogen hat, von meinem streikenden herz?
eben.
viel lieber würde ich schreiben von meiner reise zur freundin und unseren ausufernden lachsalven und nächtlichen gesprächen.
viel lieber würde ich schreiben von so vielen momenten der freundschaft, des glücks auf der insel, vom oberton singenden mann, von herzensmomenten.
aber ich bin müde.
ich komme dem ganzen leben kaum noch hinterher und trage pläne länger schwanger als eine elefantenkuh.
seit drei jahren liegt meine homepage brach, dafür ist der kalender so voll wie nie.
seit über einem jahr überlege ich den blogumzug, dabei komme ich gar nicht mehr zum schreiben.
seit zwei jahren überlegen wir den kompletumzug auf die insel und finden dennoch keine zeit, diesen auch wirklich in angriff zu nehmen.
mit der langsamkeit kommt "ich sollte, wollte, müsste, könnte" und ich muss mir den konjunktiv ganz schnell wieder abgewöhnen.
aber schön wäre es doch, wenn das kommende jahr ein paar angenehme überraschungen bereit hielte. keine ahnung welche.
angenehm soll es werden.
und ich sollte endlich die koffer packen :-)
damit ich schnell auf die insel kann, im tonnenhäusi auf die dorfstrasse starren und löcher in die luft und mit den wellen zwiesprache halten.

Freitag, 21. November 2014

La bella Montez.....

soll die Tänzerin aus Sevilla geheißen haben, die Hein, den Leuchtturmwärter, einst so glücklich gemacht hat.
Genau genommen ist es nur eine Erzählung der Einwohner aus Pudelgarten, die sich aber auch nicht erklären können, woher die dunkelhaarige Schönheit kam und wohin sie eigentlich entschwand.
Fakt ist, oder …. scheint zu sein…., dass Hein eines Tages die Nase voll hatte von seinem Leuchtturm. Tagein tagaus das Stellwerk für die Lampen bedienen, den Schiffsverkehr und das Wetter abhören,
hormontriefende Paare trauen…. Es war ihm einfach zuwider geworden.
Weil Hein noch niemals in seinem Leben von der Insel runter gekommen war, beschloss er dies zu ändern und plünderte sein übermäßig gefülltes Sparbuch. Was hatte er schon gebraucht von seinem kleinen Verdienst, in den letzten zwanzig Jahren? Eben: Nichts. Drum hob er seinen Neffen in den Leuchttrum, wies ihn ein, zeigte ihm den Rumvorrat hinter der Eberesche und kaufte sich ein erster Klasse Ticket nach Paris.
Dumm war nur, dass Hein leider kein französisch sprach und so saß er etwas trüb und mit einem klitzekleinen bisschen Heimweh in einer kleinen Bar am Tivoli. Mangels Sprachkenntnissen hatte er sich keinen Rum bestellen können und also hatte ein mitleidiger Kellner ihm in Glas Rotwein vor die runzelige Nase gestellt.
Als Hein bereits darüber nachdachte, wieder nach Pudelgarten zu fahren und seinen Leuchtturm zu besteigen, da schwang die Tür der kleinen Bar auf, und eine Erscheinung betrat den Raum.
So jedenfalls muss Hein es seinem Nachbarn erzählt haben, damals vor vielen Jahren. „Wie ein spanisches Schneewittchen“ hatte Hein geraunzt, wenn er seinem Nachbarn noch viele Jahre später allabendlich –zumindest im November- von der bella Montez erzählte.
Sprachlos vom Anblick ihrer schwarzen Augen, ihrem roten Mund und der langen, schwarzgelockten Mähne, muss er mit den Fingern nach dem Kellner geschnippt haben. Mit einer ungewohnt großen Geste legte er ihr sein Herz aus Luft zu ihren schmalen Füßen und der Kellner hatte sogleich verstanden, dass Hein alles und zwar wirklich alles zahlen würde.
Was keiner von Heins Nachbarn je verstanden hat ist, wie aus den beiden ein Paar wurde. Sie hatte ein unbändiges Temperament, das man ihrer andalusischen Herkunft zuschrieb. Etwas seltsam war schon, dass sie gelegentlich ein deutsches Wörtchen mit badischem Akzent einflocht und auch das ein oder andere zu verstehen schien. Aber keiner zweifelte je an ihrer Herkunft. Diese Augen – und auch diese Stimme (wie Hein später etwas bedauernd mitteilte) hat es so in Pudelgarten niemals gegeben.
Hein hingegen war ein ruhiges Schaf, la bella Montez nannte ihn gar Borrego – mein Lämmchen – und so gesehen hat das natürlich schief gehen müssen.
Zwei Sommer lang wohnten in Heins Leuchtturm nicht nur die Montez und er. Oh nein. Mit der schönen Montez kam ein kleines Flamencotrüppchen – was allerdings schnell Heins Rum verfiel und nur noch müde krächzte im Winter. Und mit der schönen Montez kamen drei finstere Gesellen, die einige Pudelgartener für Altnazis und andere für Mafiosi hielten. Sie machten die Nacht zum Tage, fuhren LKWs hinein und wieder hinaus und eines Tages verschwand die schöne Montez mit dem letzten LKW.
Hein nahm es äußerlich gelassen, auch wenn er darauf hin alle seine Gänse schlachtete und ihre Federn aus dem obersten Fenster des Leuchtturms warf. Dies war schrecklich für die Gänse aber gut für Hein, denn er hätte sich ja auch selbst aus dem Fenster werfen können.
Wohin die bella Montez entschwand ist leider nicht überliefert. Und auch was aus Hein wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Nur heute noch raunen die Pudelgartener, dass das Bernsteinzimmer in den Tiefen des Leuchtturms versteckt sei.


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Dienstag, 18. November 2014

Stille breitet sich aus

Meine Jobreisen habe ich für dieses Jahr weitgehend beendet. Ein kleines bisschen noch in den Osten fahren und in den Süden fahren.
Dazwischen entspanne ich auf der Insel und genieße die Stille.
Das Dörfchen ist nur zur Hälfte bewohnt und es findet sich kein einziger Tourist mehr hier.
So ruhig ist es hier, dass mir am Ankunftstag das Ohr pfeift.
Nun, am zweiten Tag, höre ich den Wind pfeiffen. Er ist das einzige Geräusch, neben dem sich kratzenden Hund.
Früh legt sich Schwärze in die Luft und abendlich stehen Rehe im Dunklen, kaum das wir vom mittäglichen Deichgang kommen.
Der kalte Wind treibt uns ins gewärmte Haus.
Ruhe und Kraft tanken.
Ich glaube das kommende Jahr wird so einige Prüfung bereit halten, so manchen Abschied auch ohne unsere Einwilligung, einleiten.

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Freitag, 31. Oktober 2014

werner & wilma

frühmorgends nimmt Wilma sich ein Herz.

Von der Seite sieht sie seine erstaunliche Silhouette und stupst ihn zart an.
„Du, Werner, … ich mag Dich…. sehr“.
So, denkt sie sich, nun ist es also raus. Kaum merklich neigt Werner den Kopf zu ihr. Sie gefällt ihm auch, aber so einfach ist das leider nicht.
„Wilma, ich bin froh, dass Du meine Nachbarin bist, aber mehr geht nicht zwischen uns!“
„Gefalle ich Dir nicht?“ fragt Wilma sichtlich nervös, denn es war schwer genug, überhaupt bis hier her zu kommen. Normalerweise ist Werner tatsächlich ein schweigsamer Nachbar. Er redet eigentlich so gut wie nie und schaut am liebsten schweigend über die Felder. Nichtmal ein kleines Seufzen ist von ihm zu hören, wenn die Oktobersonne den Boden wärmt. Und dennoch findet Wilma ihn unwiderstehlich. Er ist ein großer, starker Kerl, das mag sie. Und seine Ernsthaftigkeit.
„Hör mal Wilma!“ Werner überlegt hin und her, wie er es ihr beibringen soll. „Du bist wirklich eine ganz fesche, appetitliche, süße Kleine!“
„Dann bin ich jetzt mal auf Dein Aber gespannt“ antwortet Wilma enttäuscht und gereizt. Warum sagt er nicht frank und frei, dass er entweder an ihr nicht interessiert ist. Oder vielleicht ist er vollkommen unempfänglich für Gefühle jeder Art?
Verdammt, denkt sich Werner, wieso bringt sie mich so in Verlegenheit… und er setzt erneut an.
„Also Wilma, was soll das Gesäusel. Wir leben hier nebeneinander…Ja. Und Du gefällst mir auch“… verdammt, denkt sich Werner, soweit waren wir schon.
„Ja? Aber?“ fragt Wilma.
„Ja? Aber???“ poltert Werner los. „Was soll das Liebesgedöns, wenn wir doch alle sowieso dem Untergang geweiht sind“
„Dem Untergang geweiht?“ Jetzt ist es Wilma die fassungslos ist und Empörung in sich aufsteigen fühlt. „Dem Untergang geweiht? Jessas Werner, da habe ich dich aber überschätzt. Du meinst, nur weil wir sterblich sind, wie alle auf der Welt, lohnte sich die Liebe nicht? Und weil morgen vielleicht die Welt schon untergeht, lohnte sich die Liebe nicht?“
„Ach Wilma, bist Du blind? Ja siehst Du denn nicht, wo wir leben? Und wohin das alles führt? Unser Sommer hat kaum angefangen, da ist der Winter schon da. Und eh wir es uns versehen, wird man uns die Köpfe abschlagen und dann können wir unsere Liebe in der Hölle von Heins Schmortopf besiegeln!“
Werner war nun richtig sauer und verzweifelt. Zu gern wäre er wild und frei geboren worden, aber das Schicksal hatte es nicht gut mit ihm gemeint. Und mit der schönen Wilma auch nicht. Er hätte heulen können vor Wut, aber das Weinen war ihm noch nie gegeben gewesen.
„Ja“ sagt Wilma leise. „Ich habe auch schon davon gehört. Ich weiß, dass wir nicht frei sind und niemals Nachkommen haben werden. Falls das wirklich alles stimmt. Aber hey….“ zart lehnt sie sich an ihn an….“ist doch egal. Ich mag Dich und bin froh, Dich zu kennen. Auch wenn unsere gemeinsame Zeit begrenzt ist. Sei kein Wirsing Du oller Dickkopp!“
Werner lehnt sich ein kleines bisschen zu ihrer Seite hin. Er findet sie hinreissend und treibt eine kleine Wurzel aus, die er unterirdisch zu ihr rüber schiebt.


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Montag, 27. Oktober 2014

Es tanzen....

inmitten von Matsch und Dreck,
die Landpomeranzen,
selbstvergessen und keck:

ungewaschen und ungekämmt,
starren sie Löcher
ganz ungehemmt
in die Lüfte, noch und nöcher.

Deutlich zu sehen
im Acker der Möhrchen
von fünf Rehen
die rotbraunen Öhrchen.

Frühmorgens schaut sich der Fasan
in aller Ruhe und ohne zu rennen,
mit bunten Federn, ganz ein Galan,
suchend um nach seinen Hennen.

Und auch der Eber, heute eine Sau
fühlt sich ganz wohl und deutlich freier,
es ist ihm gar nicht gram und flau
so gänzlich ohne Eier.


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Samstag, 11. Oktober 2014

Der Herzensmann...

... hat sich seinen neuen alten Bus gepackt und das Fräulein hineingeworfen, nebst hölzernen Blasinstrumenten und alles was man für's Inselleben so braucht, während ich mich tapfer dem drohenden Herzinfarkt entgegen arbeite.
Während er bisher ein Muster ein Inkonsequenz, und ich ein Vorbild an Konsequenz und Klarheit war, haben die Dinge zwischen uns sich vollkommen verdreht.
Der Mann hat dem Mammon und dem Gefragtsein endgültig zugunsten seines Seelenfriedens entsagt. Er lässt sein graues Haar lange lange wachsen, starrt Löcher in die Luft, geht zum Chi Gong (ja er! Er hätte sich früher totgelacht über sowas), zum Didgeridoo spielen, er singt Moritaten und Oberton wie die Mongolen und hat das Drechseln gelernt.
Meine Wenigkeit hingegen steckt in einer Gegenteilphase. Ich tue seit Wochen - und es sind schon viele Wochen - exakt das Gegenteil von dem, was ich mir vorgenommen habe.
Aus dem Schreib-Urlaub im August ist ein Besucher-Urlaub geworden mitsamt abschließender Schaff-Woche zur Sanierung des Bullerbü-Häusis. Ich habe nicht ein Wort geschrieben und nicht ein einziges Wort gelesen.
Aus dem „wir reduzieren uns“ ist ein Arbeitsmarathon für mich geworden, der nunmehr seit sechs Wochen anhält und noch weitere sechs Wochen andauern wird. Heldenhaft habe ich einen Pitch für ein Großprojekt abgesagt und war ganz stolz, dass ich der Verführung widerstanden habe. Hätte sie doch ein in-Frage-ziehen all unserer Pläne für die kommenden Jahre bedeutet.
Allerdings hat nur wenige Tage nach meiner Absage das Großprojekt angerufen und höflich gefragt, ob ich nicht zu einem anderen Termin meine Ideen und Konzepte vorstellen können, man dürfe es ja nicht sagen, aber ich sei der Favorit. Schwups gleite ich auf meiner Eitelkeit aus wie auf einer Bananenschale. Das Großhirn, das reduzieren möchte, kapituliert unter dem ängstlichen Stammhirn der Selbständigen. Mein seit 25 Jahren gepflegter Armutswahn hat wieder gnadenlos zugeschlagen.
Ich habe einen sagenhaft guten Lauf gerade. Alles was ich anpacke läuft wie am Schnürchen und bei keinem Termin gehe ich raus, ohne mit neuen Folgeprojektanfragen beglückt zu werden. Das Ego ist drei Meter gewachsen und das Herz pumpt.
„Was soll das?“ rufe ich mich zur Ordnung.
„Nur das noch… und evtl. das auch noch… es läuft grad so gut“ winselt das Ego. Und ich bin machtlos im Kampf gegen mich selbst. Ich könnte deutlich besser reduzieren, wenn der Herzensmann ein workaholic wäre, den ich bremsen muss. Aber er hat seine Lektion gelernt und ich habe noch Gegenteilphase.
skyline

und überhaupt....

Hunde, sind unsere Verbindung zum Paradies. Mit einem Hund an einem herrlichen Nachmittag an einem Hang zu sitzen kommt dem Garten Eden gleich, wo Nichtstun nicht Langweile war - sondern Frieden. (Milan Kundera)

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