... erhole ich mich seltsamerweise dadurch, dass ich zur Weihnachtszeit und zum Ende eines Jahres mir gerne Gäste einlade. Nicht einfach Essensgäste, sondern echte, also Schlafgäste. Vermutlich liegt das daran, dass ich eigentlich immer schon gerne eine kleine Pension hätte.
Entgegen meiner Planung kommen netterweise immer mehr dazu und heute bereits ist die Bude bumsvoll.
Wir sind zu acht. So gesehen und im Vergleich zum vorletzten Jahreswechsel hätten hier noch 2-6 Leute Platz. Morgen werden wir acht Menschen und fünf Hunde sein. Ein Bollwerk gegen die Böller.
Aber das wollte ich eigentlich gar nicht sagen.
Ich wollte innehalten, weil das irgendwie vor Weihnachten und an Weihnachten nicht ging. Auch nach dem Fest kam ich nicht zum Innehalten und ich bin einfach vermutlich kein Innehalter.
Überhaupt ist für mich Weihnachten sowieso mit dem Verspeisen einiger Gänseteile vorbei und erledigt. Ich möchte auch wirklich gerne einmal einen Jahresrückblick schreiben, aber ich kann das einfach nicht.
Mit dem abgelaufenen Jahr geht es mir wie mit dem abgefressenen Teller im Restaurant: Der Kellner möge ihn bitte einfach schnell und sofort abräumen, damit ich mich Neuem zuwenden kann.
Es ist vorbei.
Weihnachten, die Hoffnung auf Schnee und das Jahr auch. Es darf beruhigt gehen, denn es kommt eh ein Neues und ich finde das Neue spannender als das Alte.
Dies muss sich Herr Rosmarin offenbar auch gedacht, oder ähnlich empfunden haben, als er vor einigen Tagen (mir ist leider das Zeitgefühl abhanden gekommen), meine Küchenlieblingspflanze neu geschmückt hat....
Ich freue mich auf längere Tage und auf Frühlingserwachen. Ich freue mich auf ein neues Jahr, das sicher wie die bisherigen Höhen und Tiefen haben wird, Lustvolles und Lustloses, zu Gewinnendes und zu Verabschiedendes. Drum winke ich dem alten leichten Herzens hinterher, mache einen ehrlichen Knicks und schicke ihm viele Dankeschöns hinterher.... und werde morgen im Garten Walzer und balkanesische Rockpolka tanzen, voller Neugierde auf das, was kommen mag.
rosmarin - 31. Dez, 01:41
wünsche Euch ein friedliches, fröhliches und lustiges Weihnachtsfest.
Packt die hoffentlich richtigen Geschenke aus und denkt daran, dass Liebe eh wichtiger ist als Socken und Gutscheine.
Sauft ein bisschen... nicht zu viel und lasst es Euch schmecken.... und vergesst nicht, morgen in die Kirche und ins Fitnessstudio zu gehen.
Herzt Eure Lieben und vergesst Eure Feinde, spendet etwas und versucht ein besserer Mensch zu werden. Dies ist ja eh unser Dauerprogramm.

rosmarin - 24. Dez, 00:01
ist sowieso eine ganz unerhebliche Größe.
Der kleine österreichische Buddhahund ist brav im Zug gen Maindörfli gereist, dann weiter in den Teuto und unterläuft einfach das strenge Regiment des großmäuligen Möchtegernwindhundfräuleins.
Er schlupft unter ihrem Getöse einfach hindurch und weist ihr freundlich den Platz zu, den sie gerne einnimmt.
Ganz langsam kehrt Ruhe im Teuto ein. Ich übe mich im Nichtstun.... was überhaupt kein Problem für mich ist. Die
Elfenhäuslerin und ich entwerfen diesjährig Trödel-Workshops in mehreren Stufen. Vom Trödeln für hyperaktive Anfänger über Trödeln für Fortgeschrittene, hin zur Masterclass, die natürlich in Südfrankreich stattfinden muss wegen des Lichts. Derzeit in Planung ist das Zen des Trödelns.... aber soweit sind wir noch nicht.
Nächtens überzeugt der elfenhäuslerische Besuch den Herrn Ro davon, dass er entgegen seiner Ansicht, dennoch eine Kletterhortensie vor dem Fenster hat und abendlich geht sie mit den weltbesten teutonischen Freundinnen auf den Weihnachtsmarkt, während ich zu einem Anstandsgeburtstagsbesuch bei den netten Russen mit dem scheusslichen Essen antanze. Der Trödelrhythmus gerät etwas aus der Ordnung und morgen werden noch Betten bezogen für die weltbesten Eltern, Wäsche verräumt, Kuchen gebacken und .... äh.... es fehlen noch einige Geschenke.
Wenigstens habe ich es noch geschafft, neben den Trödelübungen, Rechnungen zu schreiben, Weihnachtskarten zu schreiben... naja.... und vieles ist liegen geblieben in all der Trödelei.
rosmarin - 22. Dez, 00:37
denn ich vertrödel sie :-)
rosmarin - 15. Dez, 13:28
…
bin ich keiner. Weil mir einfach nur 10-16 Leute zujubeln, wenn ich mit meiner Arbeit fertig bin.
Aber ich bin 100 Tage durch die Republik gereist. Das ist ne Menge. Auf den ersten Blick sieht es ja so aus, als würde ich wenig arbeiten für gutes Geld. Aber so einfach ist es nicht.
Anders als ein Rockstar…. stehe ich nicht vor großem Publikum, aber vor wichtigem. Anders als ein Rockstar singe ich nicht immer die selben Lieder, sondern stehe mit größtmöglichem Lampenfieber vor immer wieder neuen Gruppen und mache nie dasselbe Programm nochmal.
Das macht mich müde. Die Rockstars fahren auch 100 Tage im Jahr durch die Länder. Danach…. Ziehen sich die guten für 1-2 Jahre zurück und meditieren über neue Songs.
Das würde ich auch gerne tun, aber blöderweise bin ich kein Rockstar.
Nun habe ich noch zwei Tage. Zwei wichtige Tage. Und dann ist Schluss und dann ist nur noch privat und nur noch Chakkaaa…..(hopefully)
rosmarin - 11. Dez, 23:49
….
hat Marianne ihren Hannes verlassen. Sie fand, dass sie Freude und Gelassenheit benötigt. Und das kam (vermutlich) so:
Marianne war ja nun mit Hannes 50 Jahre verheiratet. Das waren gute und auch schlechte Zeiten. Das haben sie alles gemeistert. Er damals…. Junger, aufstrebender Architekt, sie damals…. junge, aufstrebende Bürokauffrau, die auf einen starken Mann und ihre Mutterschaft wartete. Sie bekamen einander und zwei wirklich gelungene Kinder.
Hannes war ein Stiesel. Ruppig, wortkarg und ein bisschen…. na er halt.
Marianne hat das immer wunderbar ausgeglichen. Je stieseliger er war, umso charmanter wurde sie. Als die beiden Kinder aus dem Gröbsten heraus waren, wollte sie wieder arbeiten und hat eine Partnervermittlungsagentur gegründet. Damals, in den Zeiten, als es noch kein Internet gab, schaltete sie im Auftrag von…xy… Anzeigen, führte Gespräche und Gespräche, vermittelte Kennenlerntermine und war stolz auf ihre Erfolge. Die Kinder wuchsen und der aufstrebende Architekt hat sich verhoben, ging pleite. Sie mussten ihr Haus verkaufen und Marianne meisterte seine Selbstwertkrise. Sie zogen in eine kleine Eigentumswohnung in ein frankfurter Viertel unter ihrem Niveau und Marianne freute sich über ihre partnersuchenden Kunden. Die Kinder wurden so lustig wie Marianne, Hannes blieb stieselig, rappelte sich auf und übernahm einige große Hausverwaltungen. Sie hatten einen Afghanen, der gern auf der Trapprennbahn hinter dem Güllewagen her rannte, um sich duschen zu lassen. Die Kinder machten Abitur, gingen aus dem Haus und der Afghane starb. Ich lernte Marianne erst Jahre später kennen, als sie mit ihrem Whippet und ich mit dem Möchtegernwindchen am Mainufer entlang liefen. Diess taten wir einige Jahre, besprachen den Liebeskummer der Kinder, ihre ersten Oma-Erlebnisse und ihr baldiges Sterben. Marianne hatte mit 66 einen schlimmen Krebs bekommen, die Ärzte rieten, sich zu verabschieden. Die Kinder schenkten Ratgeberliteratur und wollten ernsthafte Gespräche mit ihr führen. Aber Marianne hat nur gelacht. „weißt Du“…. sagte sie damals zu mir…. „ich habe mich einfach entschieden, dass meine Zeit noch nicht gekommen ist“. Sie lachte fröhlich, selbst mit Perücke. Hannes war in der Zeit ihres Klinikaufenthaltes mit dem Whippet am Main unterwegs. Der Hund grüßte alle seine Kumpels, aber Hannes tat sich schwer und machte sich nicht die Mühe, die zu den Kumpels gehörigen Zweibeiner zu grüßen, latschte einfach weiter und starrte in die Luft. Aus der Eigentumswohnung im falschen Viertel wollten sie beide raus. Marianne überlebte den Krebs und bekam neue Haare, die wilder und schöner waren, als ihre früheren. Stolz lief sie am Flussufer umher, lachend und auf das anvisierte Haus freuend. Der Whippet starb und nun hat Marianne eine neue Entscheidung getroffen. Sie hat Hannes verlassen, wurde innerhalb von neun Monaten geschieden und ist in ein klitzekleines Kaff gezogen, in dem ihr Sohn wohnt und als Lehrer arbeitet. Einmal im Jahr fliegt sie zu ihrer Tochter nach Alaska. Die lebt nun zum zweiten Mal in Alaska. Einmal vor ihrer Hochzeit mit Ariel. Den wiederum hat sie aufgrund seiner Trinkerei verlassen. Ariel starb an kaputter Leber und Mariannes Tochter ging zurück, um seine Hand zu halten bis er starb. Nun ist sie immer noch da und wurde Tierheilpraktikerin. Marianne führt jetzt auf dem Land den Hund ihres Sohnes spazieren. Wie es Hannes, dem Stiesel geht, weiß ich nicht. Aber der Main ist etwas einsamer geworden.
ist herzwärmend.
Z.B. wenn ich die alte Dame mit dem verstorbenen Pudel treffe. Sie nimmt mich am Arm und freut sich, weil wir uns so lange nicht gesehen haben. Sie krault das Hundefräulein und schwärmt vom Herrn Rosmarin. Da pfeiff ich auf den Lärmstress, den die benachbarte Baustelle macht und wärme mich am künstlichen Feuer, das der Portikus mir rüber ins Heimchen strahlt.
Z.B. wenn man mit früheren Nachbarinnen im engen SMS-Kontakt steht, Glück und Leid miteinander fernmündlich teilt und sich am Herzensfeuerchen wärmt.
Z.B. wenn ich über den ein oder anderen Blog, Freundinnen gefunden habe. Da schlürt man herum und freut sich, über die gute Nachbarschaft, auch wenn man gelegentlich viele Hundert Kilometer hinter sich bringen muss, um sich am echten Feuerchen zu wärmen.
Z.B. wenn benachbarte Blognachbarn, die fast umme Ecke wohnen, spontan statt zum Brunch zum Abendessen erscheinen. In diesem Falle hat man – weil Sonntag ist – nicht einkaufen können. Aber man kann im Maindörfli schön einkehren und sich mit gekauftem Kneipenrotwein ins Heimchen verdrücken, einfach weil dort das Rauchen erlaubt ist. Der Blick aus dem Fenster auf das Portikusfeuerchen ist völlig nebensächlich, einfach weil der Besuch eine höllengroßes Feuerzeug dabei hat, wunderbare Musiken auf dem Pödchen und das Parlieren ist eh schön.
Und immer lerne ich. Z.B., dass man sich mit 70 noch scheiden lassen kann. Dass das Leben nie aufhört, bevor es zu ende ist, dass die Beatles und die Stones eigentlich schöner klingen, wenn sie von tollen Leidenschaftssängern neu interpretiert werden, dass Liebe nur gut gehen kann, wenn man sich selbst bleibt, und dass auch nur dann sie scheitern kann.
PS: das Hundefroilein hat auch Nachbarn. Seit heute eine Katze, die sie fürchtet (unglaublich.... vermutlich ist die Erde doch eine Scheibe?)... und aus dem Restaurant meiner Wahl kommend, eine Ratte.... die sie nur um eine klitzekleine Haaresbreite fast erbeutet hätte.